Pharmazeutische Zeitung online
BAK-Mitgliederversammlung

Abschied und Empörung

Die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer (BAK), die in diesem Jahr auf Einladung der Landesapothekerkammer Nordrhein in Bonn stattfand, war geprägt von zwei ganz unterschiedlich aber gleichermaßen wichtigen Schwerpunkten.
Theo Dingermann
07.06.2019  11:54 Uhr

Die diesjährige BAK-Mitgliederversammlung  war recht emotional geprägt. Zum einen wurden sehr verdiente Mitglieder verabschiedet, die in den letzten Jahren ganz maßgeblich die Geschicke der verfassten Apothekerschaft mitgestaltet hatten. Zum anderen ging es um die Empörung über einen unkonstruktiven Dialog mit der Politik angesichts des anstehenden Gesetzesvorhabens des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zur Stärkung der Apotheke vor Ort.

Doch zunächst zum Abschied: Die Kammer Nordrhein bekommt in der nächsten Wahlperiode einen neuen Präsidenten und einen neuen Vizepräsidenten. Das bedeutet, dass der langjährige Präsident Lutz Engelen und sein Vize Peter Barleben ihre Ämter in neue Hände übergeben werden. Mit Dank und Anerkennung verabschiedete BAK-Präsident Andreas Kiefer zusammen mit den Repräsentanten aller Länderkammern die beiden Berufsvertreter am Vorabend der eigentlichen Mitgliederversammlung. Über ihre Verdienste und ihren großen Einsatz für die Belange der Apothekerschaft wird noch berichtet werden, wenn sie nach der in Kürze anstehenden Wahl tatsächlich aus ihren Ämtern scheiden.

Während der Mitgliederversammlung wurde dann die Kammerpräsidentin der Landesapothekerkammer Niedersachsen, Magdalena Linz, verabschiedet. Auch dies bedeutet einen spürbaren Verlust, denn mit Linz geht nicht nur eine erfahrene Präsidentin einer Länderkammer, sondern auch eine ehemalige BAK-Präsidentin, die wie kaum eine andere das berufspolitische Geschäft versteht und an vielen Stellen Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen bewiesen hat.

BAK-Präsident Kiefer charakterisierte die scheidende Kammerpräsidentin durch drei besondere Eigenschaften: »Ihre extreme Zuverlässigkeit, ihr unglaubliches Gedächtnis sowie ihr Einsatzwille und ihre Streitkultur im besten Sinne.« Linz selber verabschiedete sich im Sinne dieser Charakterisierung nicht etwa mit Wehmut, sondern durchaus kämpferisch und optimistisch. Keine Zweifel ließ sie aufkommen, dass sich pharmazeutische Kompetenz und pharmazeutisches Know-how durchsetzen werden. Und sie verwies in diesem Zusammenhang auf das, was jüngst in Niedersachsen gesetzlich durchgesetzt werden konnte: Die gesetzliche Einführung von Stationsapothekern. Dass sie auch hin und wieder unbequem war, räumte Linz durchaus ein. Aber immer habe sie die Sache und nie ihre eigene Person im Fokus gehabt. Die scheidende Kammerpräsidentin versprach, ihr Netzwerk nicht einschlafen zu lassen, sondern auch ohne Amt weiter für die Apothekerschaft kämpfen zu wollen.

Fehlender Konsens im Diskurs

Dies war ein versöhnlicher Abschluss einer in Teilen durchaus emotionalen Sitzung. Denn im Rahmen seines politischen Lageberichts musste der BAK-Präsident einräumen, dass der konstruktive Dialog mit der Politik derzeit alles andere als rund läuft. Es fehle, so Kiefer, an einem Konsens hinsichtlich des Diskurses zwischen Politik und Apothekerschaft in Vorbereitung des Referentenentwurfs zum »Gesetz zur Stärkung der vor Apotheke vor Ort«. Offensichtlich wird nicht nur den Politikern in Bonn seitens des Ministeriums suggeriert, Politik und die verfasste Apothekerschaft seien zwischenzeitlich weitgehend einer Meinung. Und offensichtlich, so das dringliche Anmahnen von Vertretern aus den Länderkammern, darunter auch die BAK-Vorstandsmitglieder Ursula Funke (LAK Hessen) und Thomas Benkert (LAK Bayern), verfestigt sich diese Einschätzung auch in der Apothekerschaft.

Diese Diskrepanz war dann Thema einer offenen und fairen Debatte, die sich über den gesamten Vormittag hinzog. Man sah davon ab, eine Resolution zu verabschieden, und das war gut begründet. Stattdessen verwies man mit Nachdruck auf das Papier, das im Nachgang zu der ABDA Sondersitzung am 2. Mai einstimmig verabschiedet worden war und in dem unverändert der Standpunkt der Apothekerschaft nachzulesen ist. Dieses Papier sollte nach Ansicht der Apotheker daher neben den Referentenentwurf gelegt werden, wenn es darum geht, objektiv zu überprüfen, inwieweit die Meinung des BMG und der Apothekerschaft übereinstimmen.

Mehr von Avoxa