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Borderline-Persönlichkeitsstörung

Zwischen extremen Emotionen

Nicht jeder »Borderliner« ist gleich

Für die Diagnose der BPS müssen nach DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) mindestens fünf von neun Kriterien erfüllt sein. Im Mittelpunkt stehen das impulsive Verhalten und ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in Bezug auf Emotionen, das eigene Selbstbild und zwischenmenschliche Beziehungen. Hinzu kommen beispielsweise Furcht vor dem Verlassenwerden, selbstschädigendes Verhalten, Suiziddrohungen oder -handlungen, ein chronisches Gefühl der Leere, Aggressivität oder mangelnde Wutkontrolle sowie paranoide Vorstellungen.

Das »Ritzen«, das viele Menschen mit dieser Erkrankung verbinden, ist nur eines von vielen möglichen Symptomen. Da es aber leicht ins Auge fällt, zum Beispiel aufgrund von Wunden oder Narben an den Extremitäten, kann es oft ein erster Hinweis sein – auch wenn nicht jeder, der sich selbst verletzt, an einer Borderline-Störung leidet.

Um sicherzugehen, dass es sich nicht um eine Pubertätsphase handelt, wurde eine BPS bisher erst nach dem 18. Lebensjahr diagnostiziert. In der neuen S3-Leitlinie »Borderline-Persönlichkeitsstörungen«, die voraussichtlich im Herbst 2021 erscheinen soll, empfehlen die Experten die Diagnose nach fachgerechter Abklärung aber schon bei Jugendlichen ab zwölf Jahren.

Typisch für die Erkrankung ist, dass sie selten isoliert auftritt. Etwa 90 Prozent der BPS-Patienten leiden an komorbiden Angststörungen, meist in Form von sozialen Phobien oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Depressionen, Ess- und Trinkstörungen sowie Zwangshandlungen kommen ebenfalls sehr häufig vor. Zwei von drei »Borderlinern« erfüllen zumindest phasenweise die diagnostischen Kriterien für Substanzmissbrauch. Auch andere Persönlichkeitsstörungen, vor allem vom ängstlich vermeidenden Typ, treten häufig parallel auf. ADHS gilt nicht nur als Risikofaktor, sondern kann bei bis zu 60 Prozent auch im Erwachsenenalter noch gemeinsam mit einer BPS vorliegen.

Oft stehen die Symptome komorbider Störungen so im Vordergrund, dass Ärzte die BPS übersehen. Gelegentlich wird sie auch mit einer bipolaren Störung oder einer beginnenden Schizophrenie verwechselt. Im Vergleich zur Borderline-Störung halten die Stimmungswechsel oder die paranoid anmutenden Vorstellungen bei diesen Erkrankungen aber länger an und treten weniger reaktiv auf.

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