Eine kontinuierliche, patientennahe Betreuung in der Apotheke kann dazu beitragen, die Therapie sicherer zu machen und die Lebensqualität von SLE-Patienten langfristig zu erhalten.
Lassen die Beschwerden unter der Behandlung nach, sinkt bei manchen Patienten die Therapietreue. Im Beratungsgespräch kann das Apothekenteam vermitteln, dass die Medikamente dauerhaft eingenommen werden sollten, um nicht nur Symptome zu kontrollieren, sondern auch Krankheitsschübe und langfristige Organschäden zu verhindern. Ebenso wichtig sind Informationen zu möglichen unerwünschten Wirkungen und empfohlenen Kontrolluntersuchungen.
Unter Hydroxychloroquin besteht ein geringes, mit Therapiedauer und Dosis jedoch steigendes Risiko für eine Retinopathie. Regelmäßige augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen sind daher wichtig. Da viele Patienten Immunsuppressiva oder Biologika erhalten, sollten Infektzeichen wie Fieber oder Husten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Topische nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) können bei lokal begrenzten Muskel- oder Gelenkbeschwerden eine sinnvolle Ergänzung sein. Systemische NSAR sollten wegen möglicher Risiken für Nieren, Magen-Darm-Trakt und Herz-Kreislauf-System nur nach ärztlicher Rücksprache und möglichst kurzzeitig angewendet werden. Bei Lupusnephritis sind potenziell nephrotoxische Arzneimittel wie NSAR zu vermeiden.
Darüber hinaus kann das Apothekenteam zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil motivieren. Wichtig ist insbesondere ein konsequenter Sonnenschutz, da UV-Strahlung Krankheitsschübe auslösen oder verstärken kann. Zudem sollten Patienten auf Nikotin verzichten, da Rauchen die Krankheitsaktivität und das kardiovaskuläre Risiko erhöht sowie die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin beeinträchtigen kann.
Moderates Ausdauer- und Krafttraining kann ausdrücklich empfohlen werden. Es kann Fatigue lindern, das kardiovaskuläre Risiko senken sowie Muskeln und Knochen stärken. Zudem sollten Patienten auf ein normales Körpergewicht achten und Blutdruck, Blutzucker sowie Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren lassen, da SLE mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden ist.
Auch das OTC-Sortiment bietet Möglichkeiten, die Therapie sinnvoll zu ergänzen. Regelmäßige Kontrollen des Vitamin-D-Spiegels und gegebenenfalls eine Supplementation können sinnvoll sein, da die Patienten Sonnenlicht meiden sollen. Ebenso ist auf eine ausreichende Calciumversorgung zu achten, da Glucocorticoide das Osteoporoserisiko erhöhen.
Darüber hinaus kann das Apothekenteam zu einem vollständigen Impfschutz raten und die Patienten dazu ermutigen, empfohlene Impfungen wahrzunehmen.
Nicole Schuster studierte zwei Semester Medizin, dann Pharmazie und Germanistik in Bonn und später in Düsseldorf. Während ihres Studiums machte sie Praktika bei verschiedenen wissenschaftlichen Verlagen. Nach der Approbation absolvierte Schuster ein Aufbaustudium in Geschichte der Pharmazie in Marburg und wurde 2016 zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert. Die PZ-Leser kennen Schuster als Autorin zahlreicher Fachbeiträge.