Die Lupusnephritis (LN) zählt zu den schwerwiegendsten Organmanifestationen und erhöht das Risiko für chronische Niereninsuffizienz und kardiovaskuläre Ereignisse sowie die Mortalität. Die Behandlung mit Immunsup pressiva und renoprotektiven Therapeutika zielt darauf ab, den fortschreitenden Verlust von Nephronen möglichst früh zu verhindern und die Nierenfunktion langfristig zu erhalten. Zur renoprotektiven Begleittherapie zählen etwa ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker, um Blutdruck und Proteinurie zu reduzieren. Zusätzlich kommen SGLT2-Inhibitoren zum Einsatz.
Hydroxychloroquin gehört, sofern keine Kontraindikationen bestehen, zur Basistherapie einer LN. Bei Patienten mit einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) von < 30 mL/min/1,73 m2 wird empfohlen, die Dosis um 50 Prozent zu reduzieren. Bei einer aktiven proliferativen LN, einer sehr schweren Nierenkomplikation, empfiehlt die Leitlinie als Initialtherapie Mycophenolat oder intravenöses Cyclophosphamid, jeweils in Kombination mit Glucocorticoiden.
Eine unbehandelte oder schwer verlaufende Lupusnephritis kann bis zu einem Nierenversagen führen, das eine Dialyse oder Transplantation notwendig macht. / © Getty Images/Science Photo Library
Cyclophosphamid hat trotz seiner Toxizität weiterhin einen Stellenwert bei organ- oder lebensbedrohlichen Manifestationen. Als alkylierendes Zytostatikum hemmt es die Proliferation von T- und B-Lymphozyten und kann die überschießende Immunreaktion rasch unterdrücken. Wegen möglicher Nebenwirkungen wie Infektionen, Myelosuppression, Gonadotoxizität und einem erhöhten Malignomrisiko wird die Substanz heute zeitlich begrenzt als Induktionstherapie eingesetzt.
Anschließend erfolgt in der Regel eine Erhaltungstherapie mit besser verträglichen Immunsuppressiva.
Bereits zu Beginn der Behandlung sollte geprüft werden, ob zusätzlich Belimumab oder ein Calcineurin-Inhibitor wie Voclosporin in Kombination mit Mycophenolat eingesetzt werden kann. Die frühe Kombinationstherapie soll die Remissionsrate erhöhen und die kumulative Glucocorticoid-Belastung senken.
Spricht die Erkrankung auf die Standardtherapie nicht ausreichend an, können verschiedene Alternativen erwogen werden, etwa die Umstellung der bisherigen Therapie oder eine B-Zell-depletierende Behandlung, zum Beispiel mit Rituximab oder Obinutuzumab.