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Hohe Dunkelziffer
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Zahl der Ebolaerkrankungen könnte zwei- bis dreimal größer sein

Die Dynamik des aktuellen Ebolaausbruchs in Zentralafrika alarmiert Experten. Inzwischen wurden mehr als 10.000 Infektionen und knapp 5000 Todesfälle bestätigt. Die eigentlichen Zahlen könnten noch zwei- bis dreimal höher liegen.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 29.10.2026  17:05 Uhr

Das Bundibugyo-Virus breitet sich in Zentralafrika immer stärker aus: Seit Beginn des aktuellen Ausbruchs Mitte Mai wurden etwa 10.600 Ebolaerkrankungen und 4887 Todesfälle offiziell bestätigt. Der Ausbruch könnte sich zum bislang größten ausweiten. Bei dem bisher schwersten Ebolaausbruch in den Jahren 2014 bis 2016 starben 11.300 Menschen an dem Zaire-Ebolavirus.

»Die Dynamik des Ausbruchs ist alarmierend«, sagt Professor Dr. Torsten Feldt, Zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit, gegenüber dem Science Media Center Deutschland. Es sei noch nicht gelungen, den Ausbruch einzudämmen, die Zahl der Neuinfektionen, vor allem im Kongo, sei immer noch sehr hoch. Zudem träten vereinzelt Infektionen in weit entfernten Ländern auf, bei denen die Infektionsquelle nicht gut nachzuvollziehen sei. »Bei dem zuletzt Tausende Kilometer vom Ausbruchsgeschehen entfernt diagnostizierten Fall in Nigeria handelt es sich um eine Patientin, die aus Uganda eingereist sein soll«, berichtet Feldt. »Dort gibt es offiziell aber kein aktuelles Infektionsgeschehen.«

Der Experte geht von einer erheblichen Dunkelziffer und Lücken in der Überwachung aus: »Nach aktuellen Schätzungen könnte die tatsächliche Zahl der Infektionen zwei- bis dreifach über den offiziellen Zahlen liegen.« Mehr als 70 Prozent der Neuerkrankungen treten weiterhin bei Menschen auf, die vorher nicht als Kontakte anderer Patienten bekannt waren, wie die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC Anfang Oktober mitteilte.

Laut WHO gelinge eine Nachverfolgung von Kontaktpersonen nur bei etwa 80 Prozent der Kontaktpersonen, berichtet Feldt. Mehr als die Hälfte der Todesfälle sei außerhalb von Behandlungszentren aufgetreten, wo jeder Todesfall ein hohes Infektionsrisiko für Familien und die Bevölkerung bedeutet.

Bundibugyo-Diagnostik und -Impfstoffe

Während am Anfang der Epidemie etablierte Tests auf das Bundibugyo-Virus fehlten, funktionierten die Tests inzwischen zuverlässig und auch die Testkapazität wurde erheblich ausgebaut. Limitierend sei in manchen Regionen immer noch die Verfügbarkeit der Diagnostik, so Feldt.

Eine Eindämmung des Virus fällt auch schwer, weil es keinen zugelassenen Bundibugyo-Impfstoff gibt. Der aktuelle sehr dynamische Ausbruch biete aber die Gelegenheit, Wirksamkeitsdaten zu Impfstoffkandidaten in Studien zu erheben, so der Experte. »Es gibt vielversprechende Impfstoffkandidaten, die in der jetzt gestarteten Tumaini-Impfstudie untersucht werden sollen. Dazu gehören spezifische Impfstoffkandidaten, die von Moderna und der Universität Oxford entwickelt wurden.«

Professor Dr. Christof Geldmacher, Leiter der Forschungsgruppe Infection and Immunity am Klinikum der Universität München, sieht die Impfstoffentwicklung optimistisch: »Ich gehe stark davon aus, dass die Bundibugyo-(BDBV-)Impfstoffkandidaten basierend auf mRNA, ChAdOx- oder auch VSV-Vektortechnologie schützen werden.« Je nachdem, wie schnell die Wirksamkeit nachgewiesen und eine Zulassung erreicht werde, könnten die Impfstoffe noch in dieser Epidemie einen Beitrag leisten.

Getestet wird in der aktuellen Studie auch die Schutzwirkung des zugelassenen Ebolaimpfstoffs Ervebo®, der gegen das klassische Zaire-Ebolavirus gerichtet ist, aber in Tierstudien und in klinischen Untersuchungen auch eine Kreuzprotektion gegen das Bundibugyo-Virus hervorgerufen hat, berichtet Feldt. »Sollte sich eine relevante Schutzwirkung zeigen, könnte der Impfstoff aufgrund seiner Verfügbarkeit zum Einsatz kommen. Von einem sicheren Schutz ist allerdings nicht auszugehen, da inzwischen eine Reihe von Bundibugyo-Infektionen bei Personen, die zuvor mit Ervebo geimpft wurden, dokumentiert sind.«

Laut Geldmacher wurden während des letzten großen Ebolaausbruchs zwischen 2018 und 2020 bereits Hunderttausende Menschen im Kongo – vor allem in der Region North-Kivu – mit Ervebo geimpft. Daher »sollte sich eigentlich bereits jetzt oder sehr bald einschätzen lassen, ob und wie stark die Impfung schützen kann«. Das werde derzeit systematisch erfasst. »Dennoch wäre ein zugelassener spezifischer Bundibugyo-Impfstoff wichtig, da er vermutlich deutlich besseren Schutz bieten würde«, sagt der Impfstoffexperte.

Vorbereitung auf weitere Ebolaausbrüche

Der aktuelle Ausbruch ist der erste große mit einer anderen Ebolavirusart als dem Zaire-Ebolavirus. Um sich auf weitere Epidemien vorzubereiten, werde derzeit an kreuzreaktiven Pan-Ebola-Impfstoffen gearbeitet, die gegen verschiedene Ebolavirusarten schützen sollen, berichtet Geldmacher. »Solche Impfstoffe könnten den Bedarf an unterschiedlichen Impfstoffen senken und damit auch weitere Kosten, zum Beispiel für die Lagerung.«

Es sei zudem überlegenswert, ob sich bei Nutzung bereits etablierter Impfstoffplattformen und nachgewiesener Wirksamkeit gegen Variante A die Zulassung eines angepassten Impfstoffs gegen Variante B noch weiter beschleunigen ließe, ähnlich wie bei Influenza-Impfstoffen. »In einer Phase-IV-Studie nach der Zulassung könnte man dann Daten zur Wirksamkeit erheben, während der Impfstoff bereits verfügbar wäre«, so Geldmacher.

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