| Theo Dingermann |
| 15.10.2026 07:00 Uhr |
Orthoebolaviren sind fadenförmige Viren. / © Getty Images/ Science Photo Library/ Royaltystockphoto
Das Bundibugyo-Virus (BDBV) gehört, wie das klassische Zaire-Ebolavirus (EBOV), zur Gattung Orthoebolavirus und verursacht eine schwere, häufig tödlich verlaufende hämorrhagische Fiebererkrankung. In der Demokratischen Republik Kongo zählt man seit Beginn des aktuellen Ausbruchs Mitte Mai bereits mehr als 9000 laborbestätigte Fälle. Nach aktuellem Stand sind 4410 Menschen daran gestorben. Die Letalität liegt also bei fast 50 Prozent. Ein speziell gegen BDBV zugelassener Impfstoff steht bislang nicht zur Verfügung.
Jetzt zeigen Arbeiten von Forschenden des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), dass der Impfstoff rVSVΔG-ZEBOV-GP möglicherweise auch eine Immunogenität gegen BDBV induzieren könnte. Dieser Lebendimpfstoff wurde von MSD entwickelt und wird unter dem Handelsnamen Ervebo® vertrieben. Er hat nur eine Zulassung zum Schutz gegen das Zaire-Ebolavirus.
Ervebo basiert auf einem rekombinanten vesikulären Stomatitisvirus (rVSV), dessen eigenes Hüllglykoprotein durch das Glykoprotein des Zaire-Ebolavirus ersetzt wurde. Der lebende, replikationsfähige Vektor präsentiert dem Immunsystem damit das virale Oberflächenprotein und induziert sowohl humorale als auch zelluläre Immunantworten.
Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass die Impfung beim Menschen Antikörper hervorruft, die auch das Glykoprotein des Bundibugyo-Virus erkennen. Darüber hinaus ergaben tierexperimentelle Studien an Primaten Hinweise auf eine partielle Kreuzprotektion. Die jetzt im Fachblatt »The Lancet Infectious Diseases« veröffentlichten Daten erweitern diese Erkenntnisse um einen wichtigen immunologischen Mechanismus: die kreuzreaktive T-Zell-Immunität.
Die Forschenden hatten Blutproben von 20 gesunden Erwachsenen untersucht, die eine einmalige Dosis Ervebo erhalten hatten. Als Vergleichsgruppe dienten sieben ungeimpfte Kontrollpersonen. Die T-Zell-Aktivität wurde 28 Tage nach der Immunisierung mithilfe eines Interferon-γ-ELISpot-Assays bestimmt. Ein solcher Test zeigt an, ob T-Zellen der Patienten durch das Ebola-Glykoprotein spezifisch aktivierbar sind. Das Team konnte zeigen, dass sich in den Tests sowohl nach Stimulation mit den Glykoproteinen des Zaire-Ebolavirus, des Bundibugyo-Virus und teilweise auch des Sudan-Virus (SUDV) Interferon-γ nachweisen ließ.