Laut der Organisation »Ärzte ohne Grenzen« macht die aktuelle Ebola-Ausbruch erneut deutlich, wie wichtig der schnelle und gerechte Zugang zu medizinischen Hilfsmitteln für betroffene Menschen ist. / © Imago/Anadolu Agency
Bereits am 17. Mai hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite im Kongo ausgerufen. Die Zahl der bestätigten Ebola-Toten in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda ist nach Angaben der Gesundheitsbehörde Africa CDC auf 102 gestiegen. Demnach beträgt die Zahl der bestätigten Krankheitsfälle insgesamt 608 Patienten, davon 19 in Uganda, Stand Montag. Laut der Kinderschutzorganisation Save the Children ist jedes vierte Ebola-Opfer im Kongo ein Kind.
Obwohl das Virus bereits zum dritten Mal Ausbrüche des Ebolafiebers in der Region verursacht, sind Impfstoffe, Medikamente und Tests immer noch nicht leicht zugänglich. Dies beklagt die Organisation Ärzte ohne Grenzen in einer Pressemitteilung und fordert einen »gerechten Zugang«.
»Dass bei dem aktuellen Ausbruch der Ebola-Krankheit Schnelltests, Medikamente und ein Impfstoff fehlen, zeigt einmal mehr, dass die Gesundheit von Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in der medizinischen Forschung nicht priorisiert wird«, sagt Jasmin Behrends, Expertin für globale Gesundheit bei »Ärzte ohne Grenzen« Deutschland.
Die Organisation fordert Forschungseinrichtungen, Geldgeberinnen, Geldgeber und Regierungen dazu auf, verbindliche Zugangsbedingungen für neue medizinische Hilfsmittel gegen das Bundibugyo-Virus umzusetzen. Forschungs- und Entwicklungsinitiativen sowie Investitionen in neue medizinische Produkte müssen laut der Organisation über die anfänglichen Notfallphasen hinausgehen und die betroffenen Menschen stärker in den Mittelpunkt stellen.
»Entscheidend ist, dass Menschen einen gerechten Zugang zu neuen lebensrettenden Impfstoffen, Tests und Medikamenten haben, auch wenn sie in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen leben«, sagt Behrends und fügt hinzu: »Vor allem, wenn sie an klinischen Studien teilnehmen und ihre Daten zur Verfügung stellen, sollten sie von den Ergebnissen auch profitieren.«
Der Nachweis von Ebola-Infektionen ist kompliziert und vielerorts fehlt die dafür notwendige Ausstattung. Das liegt auch daran, dass es mit Ervebo zwar einen zugelassenen Impfstoff gegen Ebola-Zaire gibt, dieser allerdings nicht vor der Bundibugyo-Spezies schützt. Auch wirksame Medikamente fehlen, wie Theo Dingermann und Manfred Schubert-Zsilavecz in einer Podcast-Folge von »PZ-Nachgefragt« erklären.
Forschende entwickeln derzeit einen weiteren Impfstoff gegen Ebola. Ein Lipidnanopartikel soll mRNA gegen drei pathogene Spezies enthalten – auch gegen das aktuell grassierende Bundibugyo-Virus. Ende Mai hat eine von der WHO benannte Expertengruppe Empfehlungen erarbeitet, welche experimentellen Impfstoffe und Medikamente derzeit eingesetzt werden können.
Außerdem herrscht in der Bevölkerung Skepsis. Isolation, Trennung von den Angehörigen sowie die speziellen Sicherheitsmaßnahmen bei der Beisetzung von Ebola-Opfern stehen im starken Gegensatz zu den dort üblichen sozialen Normen im Krankheits- oder Todesfall. Hilfsorganisationen haben auch damit zu kämpfen, dass viele Menschen in Ituri Ebola für einen Mythos halten.