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Psychedelikum
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Wie Psilocybin neuronale Netzwerke umbaut

Psilocybin gilt als vielversprechend in der experimentellen Behandlung von Depressionen. Eine neue Studie liefert Hinweise darauf, wie das Psychedelikum seine neuroplastische Wirkung entfaltet – und dass dies nicht unbedingt mit Halluzinationen einhergehen müsste.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 26.10.2026  16:20 Uhr
Besonders stark wirksam bei chronischem Stress

Besonders stark wirksam bei chronischem Stress

Besonders ausgeprägt waren die Effekte bei Mäusen, die zuvor drei Wochen lang einem unvorhersehbaren milden Stress ausgesetzt worden waren. Bei diesen Tieren steigerte Psilocybin nicht nur die Neubildung synaptischer Strukturen, sondern normalisierte auch die stressbedingt erhöhte Eliminationsrate vorhandener Spines. Dadurch fiel der Nettozuwachs synaptischer Kontakte deutlich stärker aus als bei unbelasteten Kontrolltieren. Diese Beobachtung könnte für die Entwicklung antidepressiver Therapien von besonderer Bedeutung sein, da chronischer Stress mit Veränderungen synaptischer Verschaltungen in Verbindung gebracht wird.

Den entscheidenden mechanistischen Nachweis erbrachten die Forschenden durch genetisch veränderte Mausmodelle. In einer Versuchsreihe wurde der 5-HT2A-Rezeptor vollständig ausgeschaltet und anschließend ausschließlich in den Pyramiden-Neuronen der kortikalen Schicht 5 wiederhergestellt. Unter diesen Bedingungen konnte Psilocybin erneut die Bildung und Stabilisierung dendritischer Spines fördern. Die für Psychedelika typische Kopfzuckreaktion blieb bei den behandelten Tieren dagegen aus.

Im umgekehrten Experiment entfernten die Forschenden den Rezeptor selektiv aus diesen Pyramidenneuronen. Nun verlor Psilocybin seine Fähigkeit, die untersuchte synaptische Neubildung anzuregen. Die Kopfzuckreaktion trat jedoch weiterhin auf.

Damit zeigen diese Experimente, dass die Aktivierung des 5-HT2A-Rezeptors in Pyramidenneuronen der Schicht 5 für die untersuchten neuroplastischen Effekte notwendig und hinreichend ist, nicht jedoch für die Psychedelika-typische Verhaltensreaktion. Offenbar werden beide Wirkkomponenten über unterschiedliche neuronale Zellpopulationen beziehungsweise Schaltkreise vermittelt.

Pharmakologisch interessanter Unterschied

Pharmakologisch ist diese Unterscheidung hochinteressant. Bereits heute werden Substanzen entwickelt, die strukturell mit klassischen Psychedelika verwandt sind, aber keine oder deutlich abgeschwächte halluzinogene Eigenschaften besitzen. Dazu gehören beispielsweise Tabernanthalog, ein Analogon von 5-Methoxy-DMT, sowie das LSD-Derivat 2-Br-LSD (BOL-148). Beide Substanzen können in präklinischen Modellen neuroplastische Veränderungen auslösen, ohne die für klassische Psychedelika charakteristischen Verhaltensreaktionen hervorzurufen.

Allerdings mahnen die Forschenden zur Vorsicht bei der Interpretation. Die Kopfzuckreaktion von Mäusen gilt zwar als etabliertes experimentelles Korrelat des halluzinogenen Potenzials serotonerger Psychedelika, erlaubt aber keine unmittelbaren Aussagen über subjektive Halluzinationen beim Menschen. Zudem wurde in der Studie weder eine antidepressive Wirksamkeit noch ein Zusammenhang zwischen den beobachteten synaptischen Veränderungen und einer klinischen Besserung untersucht.

Dennoch unterstützt die Arbeit die Vorstellung, dass ihre möglicherweise therapeutisch relevanten neuroplastischen Eigenschaften nicht zwangsläufig an halluzinogene Wirkungen gekoppelt sein müssen. Langfristig könnte dies die Entwicklung sogenannter Psychoplastogene vorantreiben: Arzneistoffe, die neuronale Netzwerke gezielt reorganisieren, ohne gleichzeitig intensive psychedelische Erfahrungen auszulösen.

Psilocybin, der psychoaktive Inhaltsstoff von Psilocybe-Pilzen, hat sich zu einem Eckpfeiler der modernen psychedelischen Renaissance entwickelt. Es wirkt als Psychoplastogen, hat aber zugleich einen psychedelischen Effekt. Dennoch hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA Psilocybin mittlerweile den Status eines »Breakthrough Therapy«-Medikaments für behandlungsresistente Depressionen und schwere depressive Störungen verliehen.

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