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Digitaler Impfnachweis

Wie lief der Impfnachweis-Start in den Apotheken?

Probleme bei Zählung der Impfnachweise

Ina Lucas, Apothekeninhaberin der Lichtenberg-Apotheke in Berlin, ist enttäuscht vom Impfnachweis-Start. »Die Seite ist heute (Anmerkung der Redaktion: Dienstagvormittag) wieder nicht zu erreichen. Gestern hat es zwar streckenweise nicht funktioniert, heute geht seit 9 Uhr gar nichts«, sagte die Apothekerin der PZ. In ihren Augen ist das Portal schlecht aufgebaut: »Die technische Umsetzung ist katastrophal«. Denn bei der Zertifikatserstellung gebe es nach der erfolgreichen Eingabe der Daten in die Maske häufig eine Fehlermeldung bei der Erzeugung des PDF-Dokuments mit dem QR-Code. Dann breche die Erstellung ab, allerdings zählt das Portal dennoch eine erfolgreiche Nachweis-Erzeugung. »Um später richtig abrechnen zu können, führen wir eine analoge Liste aus Papier, wie viele Nachweise wir erfolgreich ausstellen konnten«, erklärte Lucas verärgert. Zudem unterscheide sie für die Abrechnung der Vergütung händisch, wie viele Nachweise beispielsweise für Personen ausgestellt wurden, die mit dem Janssen-Impfstoff lediglich einmal geimpft wurden. Lippka-Mönnich vermisst zudem die Möglichkeit eine Übersicht der bereits erzeugten Impfnachweise auszudrucken.

Momentan ist noch unklar, ob das DAV-Portal die Unterscheidung zwischen Erst- und Zweitimpfung und ob diese in einem engen zeitlichen Abstand hintereinander erstellt wurden, aufzeichnet. Für die Abrechnung der Impfnachweise und damit auch die Frage, wie hoch die Vergütung für die Apotheken sein wird, ist diese Unterscheidung aber sehr wichtig. Die ABDA hatte am Freitag lediglich angekündigt, dass die Abrechnung mindestens einmal monatlich erfolgen soll. Entsprechende Sonder-PZNs werden noch bekannt gegeben.

Apotheken installieren Apps für Kunden

Insgesamt sei der Informationsbedarf der Kunden sehr hoch, berichteten alle Apothekerinnen und Apotheker der PZ. »Normalerweise brauchen wir 5-10 Minuten pro Impfnachweis«, erklärt Lippka-Mönnich. Allerdings müsse das Apothekenpersonal für die Kunden manchmal auch die dazugehörige App, entweder die CovPass-App oder die Corona-Warn-App auf ihrem Smartphone installieren. Zudem wissen viele, meist ältere Kunden nicht, wie sie den QR-Code scannen und den Impfnachweis digitalisieren können. In der Hanseaten Apotheke haben Lippka-Mönnichs Kolleginnen und Kollegen zudem auch die CovPass Check-App installiert, um den Kunden zu zeigen, wie der Impfnachweis zur Prüfung ausgelesen wird. »Das gibt vielen Kunden Sicherheit, da sie sehen, dass es funktioniert und welche Daten hier konkret angezeigt werden«, erklärt die Apothekerin. Zudem fragen sich viele, die zunächst mit Astra-Zeneca und dann einem mRNA-Impfstoff geimpft worden sind, ob dies ebenfalls als vollständiger Impfschutz angezeigt werde. »Auch hier zeigen wir unseren Kunden, dass die Auslese-App den Impfstatus vollständig anerkennt«, betonte Lippka-Mönnich.

Oftmals erscheinen auch Personen in der Offizin, die bereits an Covid-19 erkrankt waren und aus diesem Grund nur einmal geimpft wurden. Dies reicht bei Genesenen aber aus, um den vollen Impfschutz zu haben. Nachweise für diese Personen sind derzeit im DAV-Portal jedoch noch nicht vorgesehen. Nachgefragt beim DAV erklärte ein Sprecher: »Das nach § 22 Abs. 6 und 7 IfSG vorgesehene digitale Covid-19-Genesenenzertifikat und das digitale Covid-19-Testzertifikat können in Apotheken noch nicht ausgestellt werden, da das RKI derzeit erst die technischen Voraussetzungen schafft.« Demnach müssen Apotheken Genesene mit nur einer Impfung derzeit wieder wegschicken und können ihnen keinen Impfnachweis ausstellen.

Zudem gibt es noch weitere offene Fragen. Noch nicht geklärt ist, ob Apotheken ihren Haftpflichtversicherungen Bescheid über die Aufnahme der neuen Aufgabe geben müssen. Bei der Durchführung von Coronavirus-Schnelltests wurde dies empfohlen. Ungeklärt ist weiter, ob Personen, die keinen deutschen Pass, aber hierzulande wohnhaft und in Deutschland geimpft worden sind, einen digitalen Impfnachweis erhalten. Oder wie mit Personen, die zwar einen deutschen Ausweis haben, aber im Ausland geimpft wurden, umzugehen ist. Die ABDA verweist in ihrer Handlungshilfe bei Impfungen, die in räumlicher Distanz zur Apotheke durchgeführt werden, auf die Notwendigkeit plausibler Erklärungen der geimpften Person. Damit müssen Apotheken im jeweiligen Einzelfall die Situation abwägen und eine Entscheidung treffen.

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