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Grippeimpfung für Kinder

Wer soll sich denn nun impfen lassen?

Infektionsketten unterbrechen

Ganz abgesehen von der Frage der Verfügbarkeit von Impfstoffdosen ist die Empfehlung, alle Kinder gegen Grippe zu impfen, medizinisch sinnvoll. Gegenüber der »Welt am Sonntag« begründete Hübner seine Empfehlung damit, dass Kinder das Influenzavirus »maßgeblich übertragen«. Anders als die STIKO empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) daher auch eine jährliche Grippeimpfung aller Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren.

Erst im März hatte eine Studie gezeigt, dass es ältere Menschen unter Umständen sogar besser schützen könnte, Kinder gegen Influenza zu impfen als selbst geimpft zu werden. Hintergrund ist, dass die Effektivität der Grippeimpfung im Alter aufgrund der Immunseneszenz stark abnimmt, sodass die eigene Impfung Senioren nur einen begrenzten Schutz bietet. Unterbricht man dagegen die Infektionsketten durch konsequentes Durchimpfen der Jungen, sind auch die Alten besser geschützt.

Insofern kann man argumentieren, dass Kinder durchaus als Personen gelten, die eine Infektionsquelle für eine der vulnerablen Gruppen darstellen können, obwohl sie, wenn sie nicht im selben Haushalt leben, streng genommen nicht unter die STIKO-Empfehlung fallen. Angesichts der niedrigen Impfquoten war es bislang schwer vorstellbar, dass ein Arzt einem Impfwilligen die Grippeimpfung verweigert, egal ob Kind oder Erwachsener. Sollte der Grippeimpfstoff knapp werden, könnte in der Saison 2020/2021 aber durchaus auch dieser Fall eintreten.

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