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Gluten, ATI und FODMAP
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Wer auf Weizen besser verzichten sollte

Gluten ist nicht an allem schuld. Weitaus häufiger verursacht eine andere Proteinfraktion des Weizens – die Amylase-Trypsin-Inhibitoren – unspezifische Magen-Darm-Beschwerden. In einigen Fällen hilft nur der Verzicht, andere Betroffene können kleine Mengen tolerieren. Was bei Gluten, ATI und FODMAP zu beachten ist.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 06.03.2026  07:00 Uhr

ATI als Anfang einer Entzündungskaskade

Der ATI-Sensitivität liegt dagegen weder ein allergischer noch ein zerstörerischer Autoimmunprozess zugrunde. Vielmehr geht es dabei initial um eine Aktivierung des angeborenen Immunsystems. ATI sind damit die ersten bekannten Nahrungsmittelproteine, die im Darm die angeborene Immunität stimulieren können. Dazu binden sie an den Toll-like-Rezeptor 4 auf Makrophagen, Monozyten und dendritischen Zellen, eine Schaltstelle also, die als zentraler Rezeptor des angeborenen Immunsystems gilt.

Diese Aktivierung ist zwar schwach und bedingt nur eine dezente entzündliche Reaktion im Darm, die mit herkömmlichen endoskopischen Methoden und feingeweblichen Untersuchungen nicht nachweisbar ist. Dennoch setzt sie sekundär eine weitere Reaktionskette in Gang: Die einmal im Darm durch die ATI aktivierten angeborenen Immunzellen verlassen den Darm und wandern in die Lymphknoten, die den Darm umgeben. Dort kommen die ATI-aktivierten Immunzellen mit adaptiven Immunzellen, den T-Zellen, in Kontakt, die etwa chronisch entzündliche Prozesse im Körper unterhalten. Da die T-Zellen ihrerseits aktiviert werden, werden bereits laufende chronisch entzündliche Prozesse im Organismus angefacht, auch außerhalb des Darms.

Die leichte Entzündungsreaktion, die ATI in der Darmschleimhaut auslösen, führt bei sensitiven Personen erst Stunden bis Tage nach dem Verzehr zu Magen-Darm-Beschwerden – oder Beschwerden außerhalb des Darms wie Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder Muskelbeschwerden bleiben ungeklärt. Extremer bei chronisch Kranken: Bei ihnen verstärken sich Entzündungen, wenn sie weiter Weizen und andere ATI-haltige Getreidesorten konsumieren. Vor allem bei Patienten mit einer Autoimmunerkrankung wie Rheuma, Psoriasis, Multipler Sklerose oder einer chronischen Stoffwechselerkrankung ist das problematisch, konnte Schuppan nachweisen: »Die Grunderkrankung kann sich bei einer ATI-haltigen Ernährung verschlechtern, im umgekehrten Fall können Patienten durch eine weitgehend Weizen- und damit ATI- freie Diät eine zum Teil dramatische Verbesserung erfahren.«

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