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Gluten, ATI und FODMAP
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Wer auf Weizen besser verzichten sollte

Gluten ist nicht an allem schuld. Weitaus häufiger verursacht eine andere Proteinfraktion des Weizens – die Amylase-Trypsin-Inhibitoren – unspezifische Magen-Darm-Beschwerden. In einigen Fällen hilft nur der Verzicht, andere Betroffene können kleine Mengen tolerieren. Was bei Gluten, ATI und FODMAP zu beachten ist.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 06.03.2026  07:00 Uhr

Unterschiedliche Pathogenese

Die zugrunde liegenden Mechanismen der Pathophysiologie der drei Getreideunverträglichkeiten unterscheiden sich erheblich. So gilt die Zöliakie als eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen, bei der Gluten als externer Auslöser mit einem Autoantikörper wechselwirkt. Bei entsprechender genetischer Veranlagung reagiert die Dünndarmschleimhaut extrem entzündlich, wobei es gar zum Verlust der Darmzotten kommen kann. Bei der Weizenallergie handelt es sich dagegen um eine klassische IgE-vermittelte Überreaktion des Immunsystems auf Weizeneiweiße wie Albumin, Globulin und Gluten. Die IgE-Antikörper sind entsprechend erhöht. Die Symptome setzen innerhalb weniger Minuten nach Verzehr ein. Allerdings scheint es auch eine atypische Form der Weizenallergie zu geben, bei der Symptome erst nach einer halben bis mehreren Stunden auftreten.

Ausgeschlossen werden muss aber auch eine Intoleranz gegenüber fermentierbaren Oligo-, Di- und Monosaccchariden sowie Polyolen, also die sogenannten FODMAP. Die Beschwerden haben keine weizenspezifische Ursache, da FODMAP auch in anderen Nahrungsmitteln vorkommen. Neben Weizen gehören vor allem Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen, aber auch Zwiebeln oder Kohl zu den blähungstreibenden Lebensmitteln. Aber auch als Monosaccharide (Fructose) oder Zuckeralkohole (Sorbitol) können sie Darmgrimmen hervorrufen. Ganz verbannen sollten FODMAP-Sensible die Kohlenhydrate aber nicht aus der Speisekarte, da die durch Darmbakterien entstandenen Stoffwechselprodukte die Darmbarriere stärken. Im Gegensatz zu Gluten und ATI führen sie keinerlei Entzündungsprozesse herbei.

Zöliakie Weizenallergie ATI-Sensitivität FODMAP-Intoleranz
Zeitdauer von Nahrungsaufnahme zu Symptomen Tage bis Wochen Minuten bis Stunden Stunden bis Tage Minuten bis Stunden
Zeitdauer von Diät zu Symptombesserung Tage bis Wochen Stunden bis Tage Tage bis wenige Wochen Stunden bis Tage
Symptome Intestinal und extraintestinal Intestinal und extraintestinal primär extraintestinal intestinal
Komplikationen ggf. Langzeit­komplikationen ggf. Anaphylaxie, Lungenemphysem Verschlechterung chronischer Erkrankungen keine
Blutmarker Anti-TG2, Anti-DGP-Antikörper IgE-AK (selten bei Erwachsenen) bisher keine keine
Darmhistologie Zottenatrophie ggf. leichte Vermehrung von Entzündungszellen ggf. leichte Vermehrung von Entzündungszellen normal
Genetische Veranlagung HLA-DQ2(-DQ8) ggf. multigenetisch/epigenetisch eher keine keine
Klinik und Differenzialdiagnose weizenbedingter Erkrankungen. Quelle: Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI, Schuppan, D., und Gisbert-Schuppan, K.

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