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Persönlichkeitsstörungen
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Wenn Medikamente das »Ich« verändern

Psychiatrische Nebenwirkungen von Medikamenten sind eine besondere Herausforderung. Ethisch stellt sich die Frage, wie weit eine Therapie in das »Ich« eingreifen darf. Wie hoch darf der Preis für die Therapie sein?
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 12.04.2026  08:00 Uhr

Identität als therapeutischer Preis?

Bei Pharmakotherapien, die in die Persönlichkeit eingreifen, stellt sich eine ethische Frage: Wie viel Veränderung ist therapeutisch akzeptabel?

Bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson ist die Abwägung zwischen motorischer Stabilität und Impulskontrolle ein Beispiel für eine klinische Gratwanderung. Heilberufler sollten Therapieziele deshalb nicht allein symptomorientiert, sondern auch identitätsorientiert mit dem Patienten und gegebenenfalls den Angehörigen diskutieren.

Einerseits soll das Leiden gelindert werden, andererseits das »Ich« des Patienten möglichst unberührt bleiben. Gerade bei Langzeittherapien ist abzuwägen: Wie viel Persönlichkeitsveränderung ist dem Patienten und seinem Umfeld zumutbar? Es ist unbedingt zu respektieren, wenn Patienten lieber Schmerzen oder andere Symptome in Kauf nehmen als ihre Gefühlswelt zu verlieren.

Eine Verschiebung von Eigenschaften, zum Beispiel von Schüchternheit zu Extrovertiertheit, ist an sich weder gut noch schlecht. Entscheidend ist, wie der Mensch und sein Umfeld sie bewerten: Für einen stark ängstlichen Menschen kann mehr Offenheit ein Gewinn sein, für einen sonst ausgeglichenen Menschen aber entpersönlichend wirken.

Häufig werden Patienten aber nicht prophylaktisch über diese sehr tiefgreifenden Risiken informiert. In der Aufklärung sprechen Ärzte und Apotheker beim Thema Nebenwirkungen selten von Veränderung oder gar »Verlust des Selbst«. Aufgeklärte Patienten sollten wissen, dass neue Medikamente nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche verändern können.

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