Das Dopamin-System reguliert Motivation und Antrieb und verarbeitet Belohnungsreize. Das fein austarierte System kann durch Medikamente beeinflusst werden, zum Beispiel durch Dopamin-Agonisten, die bei der Parkinson-Krankheit oder dem Restless-Legs-Syndrom eingesetzt werden. Die Arzneimittel imitieren die Wirkung von Dopamin an seinen Rezeptoren und aktivieren das Belohnungssystem.
Eine relative Überstimulation dopaminerger Belohnungssysteme kann zu Impulskontrollstörungen führen. Zu den möglichen Manifestationen gehören pathologisches Glücksspiel, Hypersexualität, zwanghaftes Kaufverhalten oder Essanfälle. Wichtig ist, dass diese Veränderungen nicht auf mangelnde Willenskraft zurückzuführen sind, sondern auf eine medikamentös induzierte neurobiologische Dysbalance. Jedoch können sie katastrophale Folgen haben, zum Beispiel heftige Konflikte in der Partnerschaft oder Familie auslösen oder Menschen in die Überschuldung treiben. Nach Absetzen der Medikation bilden sich die Symptome in der Regel wieder zurück (3–6).
Im Gegensatz zum aktivierenden Dopamin hat Serotonin (5-Hydroxytryptamin, 5-HT) primär eine hemmende modulierende Funktion. Es dämpft impulsive Verhaltenstendenzen, fördert Geduld und Affektkontrolle und trägt zur emotionalen Stabilität bei. Die am häufigsten verschriebene Medikamentenklasse zur Beeinflussung des Serotonin-Systems sind die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Sie werden unter anderem bei Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt.
Statt von einer ausgeglicheneren und positiveren Emotionalität berichten einige Behandelte jedoch paradoxerweise von »emotional blunting« (emotionale Abstumpfung) (Tabelle 1). Sie erleben positive Emotionen wie Freude, Begeisterung oder Liebe weniger intensiv, aber auch negative Gefühle wie Trauer oder Angst erscheinen gedämpft. Die emotionale Distanziertheit kann sich auch in zwischenmenschlichen Beziehungen bemerkbar machen, etwa durch eine verminderte Fähigkeit zur Empathie oder das Gefühl, von anderen Menschen gefühlsmäßig abgeschnitten zu sein.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass »emotional blunting« bei 40 bis 60 Prozent der mit SSRI behandelten Patienten auftritt. Dies ist ein therapeutisches Dilemma, denn manche Patienten empfinden den Zustand emotionaler Taubheit belastender als die ursprünglichen depressiven Symptome (7, 8).