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Persönlichkeitsstörungen
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Wenn Medikamente das »Ich« verändern

Psychiatrische Nebenwirkungen von Medikamenten sind eine besondere Herausforderung. Ethisch stellt sich die Frage, wie weit eine Therapie in das »Ich« eingreifen darf. Wie hoch darf der Preis für die Therapie sein?
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 12.04.2026  08:00 Uhr

Austariertes System außer Balance

Die genauen Mechanismen, die zu emotionaler Abstumpfung führen, sind noch nicht vollständig verstanden. An die anhaltend erhöhte Serotonin-Konzentration könnten sich die Rezeptoren anpassen, etwa durch Desensibilisierung oder Down-Regulation der Rezeptordichte.

Zudem interagiert das serotonerge System eng mit anderen Neurotransmittersystemen wie dem dopaminergen System. Eine verstärkte serotonerge Aktivität könnte die dopaminerge Neurotransmission hemmen und dadurch die Fähigkeit beeinträchtigen, Freude und Belohnung zu empfinden. Inhibitorische Effekte von Serotonin auf impulsives Verhalten könnten auch so weit gehen, dass nicht nur pathologische Impulsivität gedämpft wird, sondern auch normale emotionale Spontaneität und Reaktivität. Die Balance zwischen notwendiger Impulskontrolle und gesunder emotionaler Ausdrucksfähigkeit könnte aus dem Gleichgewicht geraten.

Das zeigt, wie komplex und fein austariert die neurochemischen Grundlagen unserer Persönlichkeit und des emotionalen Erlebens sind und dass pharmakologische Interventionen weitreichende und nicht immer vorhersehbare Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten haben können (7, 8).

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