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Wirtschaftlicher Druck
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Wenn die Offizin nicht mehr reicht

Retaxationen, verspätete Erstattungen und wirtschaftlicher Druck gehören für viele Apotheken zum Alltag. Zwei Inhaber erklären in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), mit welchen Ideen und zusätzlichen Geschäftsfeldern sie ihre Betriebe weiterentwickeln.
AutorKontaktPZ
Datum 02.06.2026  13:30 Uhr

Im FAZ-Beitrag beklagt sich Dennis Nigge, Inhaber der Barbara-Apotheke in Kamen (NRW), über Retaxationen bei Rezepturen. Dabei wirft er den Krankenkassen unkollegiales Verhalten vor. »Es gibt eine Machtasymmetrie im Gesundheitswesen«, sagt er.

Ein großes Problem für den Apotheker ist, dass Krankenkassen nur die Menge der Arzneimittel bezahlen, die tatsächlich für die Rezeptur verwendet wurde. Die Reste des angebrochenen Mittels müssen jedoch meist entsorgt werden, da sie ablaufen. Nigge wünscht sich, dass die komplette Packung erstattet wird, und bezeichnet das Verfahren als »Hickhack«. Zwar könne er Widerspruch einlegen, doch oft werde der Antrag abgelehnt. Dann bleibt nur noch der Weg eines gerichtlichen Prozesses, der dennoch mit großem Aufwand verbunden sei.

Auch Nojan Nejatian berichtet von Problemen mit den Krankenkassen bei Rezepturen. Der Inhaber der Heegbach-Apotheke in Hessen erzählt dem Blatt, dass er oft erst nach eineinhalb Monaten eine Rückzahlung von der Kasse erhalte. »Wir laufen den Forderungen ständig hinterher«, sagt er. »Wir sind sozusagen das Inkassounternehmen der Krankenkassen.« Dabei zieht der Apotheker einen Vergleich zum Versandhandel, der eben keine Rezepturen fertigt. »Die sind nur auf das schnelle Geschäft aus«, meint er.

»Du kannst nicht überleben, wenn du heute nur Apotheker bist«

Die Probleme mit den Krankenkassen sind dabei nur ein Teil der wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Zahl der Apotheken sinkt weiter und liegt inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Gleichzeitig warten viele Inhaberinnen und Inhaber auf die erste Anpassung des Apothekenhonorars seit 13 Jahren. Mit der geplanten Erhöhung soll sich nun morgen das Bundeskabinett befassen.

Um die wirtschaftlichen Belastungen auszugleichen, setzen beide Apotheker inzwischen auf zusätzliche Geschäftsfelder. So entschied sich Nejatian beispielsweise vor fünf Jahren, neben seiner Apotheke ein Sanitätshaus zu eröffnen. »Im Iran ist es normal, dass Rollstühle in der Apotheke abgegeben werden«, sagte der gebürtige Iraner der FAZ. Heute trägt das Sanitätshaus dem Medienbericht zufolge rund 20 Prozent zum Rohgewinn bei.

Zudem hat der Hesse mit der Gründung eines Großhandels seine Einkaufskosten um fünf Prozent reduziert. Erst vor wenigen Monaten hat er seine Marke Vitanord gelauncht, ein Nahrungsergänzungsmittel für die Augen. »Du kannst nicht überleben, wenn du heute nur Apotheker bist«, sagt er gegenüber dem Blatt.

Ein weiteres Projekt ist das Erzhäuser Pflegenetzwerk, das er im Jahr 2022 ins Leben gerufen hat und für das er 2025 mit dem Deutschen Apotheken-Award ausgezeichnet wurde. Die Apotheke fungiert dabei als Anlaufstelle und vermittelt Kontakte zu Ärztinnen und Ärzten, Pflegediensten und -einrichtungen sowie Ehrenamtlichen. Mehr dazu im Podcast PZ-Nachgefragt.

Auch Apotheker Nigge versucht, weitere Standbeine aufzubauen. Der Apotheker betreibt einen Instagram-Kanal, der über 44.000 Followerinnen und Follower hat. Der Star des Kanals ist dabei sein weißer Golden Retriever, Paula. Großen wirtschaftlichen Nutzen bringe ihm dieser dennoch nicht. Durch Werbepartnerschaften finanziert er lediglich die nächsten Videodrehs. 

Darüber hinaus setzt Nigge auf medizinisches Cannabis. Seit gut einem halben Jahr verkauft er es und bietet Beratung dazu in der Barbara-Apotheke. »Das ist eine Einnahmequelle, die ich unternehmerisch nutzen kann«, sagt er.

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