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Bundestagswahl

Wen könnten Apotheker wählen?

Mit FDP und Grünen könnte sich einiges ändern

Welche Schlussfolgerungen können die Apothekenteams aus diesen Aussagen der Parteien ziehen? Klar ist, dass sich alle im Grundsatz zur Apotheke vor Ort als erste und wichtigste Instanz in der Arzneimittelversorgung bekennen. In keinem Statement wurde ein kompletter Umbruch im Apothekenwesen gefordert. Wichtige Grundregeln wie die freie Apothekenwahl oder das Fremdbesitzverbot sind parteiübergreifend anerkannt. Alle befragten Parteien geben an, den Apotheken neue Kompetenzen und Dienstleistungen übertragen zu wollen.

Was die zukünftige Ausgestaltung des Apothekensystems betrifft, gibt es allerdings doch Unterschiede, die für die Apotheken von Bedeutung sind. Insbesondere bei Koalitionen, an denen sich Grüne und/oder die FDP beteiligen, könnte es zu Umstellungen kommen. Beide Parteien stellen das Mehrbesitzverbot infrage.

Im Wettbewerb mit dem Versandhandel sprechen alle Parteien den Apotheken die wichtigere Rolle zu. Bis auf Die Linke, die weiterhin das Rx-Versandverbot einfordert, erkennen aber alle Parteien den Versandhandel als Versorgungsbestandteil an. Sehr interessant ist auch, wie unterschiedlich die politischen Kräfte die (pharmazeutischen) Dienstleistungen konkretisieren würden: Von der Cannabis-Abgabe über FSME-Impfungen und digitale Medikationsanalysen sind viele spannende Ideen dabei.

Auffällig ist, wie unkonkret die Parteien teilweise auf die Frage antworteten, wie viel Wettbewerb künftig bei der E-Rezept-Übermittlung erlaubt sein soll. Wird sich hier noch eine politische Baustelle für die Apotheken auftun?

PZ: Welche Rolle sollte der Versandhandel aus Ihrer Sicht in der flächendeckenden Versorgung übernehmen?

SPD: »Für die SPD ist der Rx-Versandhandel dennoch eine sinnvolle Ergänzung, um die Versorgung von Patient:innen mit speziellen Bedarfen sicherzustellen. Da wir mit dem VOASG die Gleichpreisigkeit von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln festgeschrieben haben, gibt es wieder gleiche Wettbewerbsbedingungen. Zudem haben wir den lokalen Botendienst dauerhaft gestärkt und honorieren die Beratungsleistungen der Apotheken extra.«

CDU/CSU: »Mit dem ›Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken‹ haben CDU und CSU in dieser Wahlperiode die Grundlagen für einen fairen Wettbewerb gelegt. Für Versicherte in der Gesetzlichen Krankenkasse gelten zukünftig gleiche Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Auch die Rabatte von Versandapotheken auf rezeptpflichtige Arzneimittel an gesetzlich Versicherte fallen weg. Für zukunftsweisend im Wettbewerb halten wir auch die Möglichkeit, bei Botendiensten von verschreibungspflichtigen Arznei­mitteln an Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung einen zusätzlichen Betrag je Lieferort und Tag zu erheben.«

Bündnis 90/Die Grünen: »Der Versandhandel ist seit nahezu 20 Jahren Bestandteil der Versorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland. Für den Wettbewerb zwischen stationären Apotheken und dem Versandhandel fordern wir gleiche Bedingungen.«

FDP: »Die inhabergeführte Apotheke ist das Rückgrat der Versorgung und dabei soll es auch in Zukunft bleiben. Um das möglich zu machen, brauchen wir faire Wettbewerbsbedingungen für die Apotheken. Ein pauschales Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel lehnen wir ab, denn alle Patientinnen und Patienten sollten eine Wahlfreiheit haben. Außerdem muss die freie Apothekenwahl jederzeit gewährleistet sein. Wir fordern faire Rahmenbedingungen zwischen inländischen Apotheken sowie in- und ausländischen Versandapotheken. Es sollte ein geringer Preiskorridor für mögliche Boni geschaffen werden, den alle Apotheken anbieten können. Das muss auch für deutsche Versandapotheken gelten, die bisher gegenüber ausländischen diskriminiert werden.«

Die Linke: »Die Linke lehnt als einzige Partei die Legalisierung des Rx-Versandhandels seit seinem Bestehen ab, weil Versorgungssicherheit und -qualität beschädigt und die wohnortnahe Versorgung und Beratung ausgehöhlt werden. Zudem dürfen ausländische Apotheken nach wie vor bei Privatrezepten Rabatte anbieten, die Präsenzapotheken verboten sind. Solange politische Mehrheiten für ein Versandhandelsverbot mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln fehlen, müssen zumindest die Qualitätsvorgaben ausgestaltet werden: Beratungspflicht, Temperaturkontrollen, Lagerungsvorschriften etc.«

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