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Landtagswahl

Wen könnten Apotheker im Saarland wählen?

CDU

Im Saarland schließen im ländlichen Raum immer mehr Vor-Ort-Apotheken. Wie will Ihre Partei die Arzneimittelversorgung insbesondere in den ländlichen Regionen aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

In der Arzneimittelversorgung kommt den Apotheken vor Ort aus Sicht der CDU Saar unverändert eine Schlüsselrolle in Versorgung und Beratung der Menschen zu. Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Patientensicherheit. Denn in den Apotheken vor Ort kann gerade auch im ländlichen Raum einerseits beim persönlichen Kontakt die Aufklärung über Risiken besser erfolgen und negative Interaktionen verschiedener Medikamente werden eher entdeckt. Zum anderen besteht mitunter auch ein enger Kontakt zwischen der Apotheke vor Ort und den dort niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, was einen schnelleren und direkteren Austausch zum Wohle der Patientinnen und Patienten begünstigt. Gleichzeitig sind Versandapotheken auf dem Vormarsch und werden von den Kundinnen und Kunden offenbar gut angenommen. Wichtig ist für uns dabei jedoch, dass eine fachlich zuverlässige Beratung erfolgt und die Regelungen für verschreibungspflichtige Medikamente beachtet werden. Dies darf bei dieser Art der Versorgung auf keinen Fall auf der Strecke bleiben.

Um auch in Zukunft eine möglichst hohe Qualität in der Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten, brauchen wir aus Sicht der CDU Saar kurz- und mittelfristig neue innovative Konzepte, insbesondere in der wohnortnahen medizinischen und pflegerischen Versorgung. Dafür sollen in jeder Kommune medizinische Versorgungszentren eingerichtet werden, die sektorübergreifend die ambulante und teilstationäre Grundversorgung, verbunden mit einer Notfall- und Erstversorgung, übernehmen. Diese sind mit Haus- und Fachärzten sowie den Krankenhäusern und auch den Apotheken unter Nutzung sämtlicher digitaler Möglichkeiten (Telemedizin) vernetzt.

Welche Ideen hat Ihre Partei, den Nachwuchs in den Apotheken sicherzustellen und die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Die Universität des Saarlandes ist einer von 22 Hochschulstandorten, an denen Pharmazie studiert werden kann. Bereits im Herbst 2021 ist das neue Praktikumsgebäude für Pharmazie offiziell eröffnet worden. Finanziert wurde das Gebäude aus Mitteln des Landes und des Bundes. Durch die bauliche Erweiterung kann die Universität künftig mehr Pharmazie-Studenten aufnehmen. Statt 60 pro Semester sind es künftig knapp 140 Studentinnen und Studenten, die auf diesem Wege auch den Weg in die saarländischen Apotheken finden können. Wir unterstützen darüber hinaus nachdrücklich, dass die Universität mit ihrer Expertise in der Pharmazie, den Biowissenschaften, der Bioinformatik und der Medizin gemeinsam mit dem HIPS, dem INM und dem CISPA einen zweiten Exzellenz-Cluster-Antrag für den Exzellenz-Strategie-Wettbewerb vorbereitet und sagen auch hier die erforderliche Kofinanzierung im Bewilligungsfall zu.

Wir appellieren darüber hinaus aber auch an die Betreiberinnen und Betreiber von Apotheken, bei Anstellungen auch die familiäre Situation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu berücksichtigen und durch gezielte Anreize (ÖPNV-Tickets, Zuschüsse zu Kita-Gebühren o.ä.) die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge hat Ihre Partei, um diese auszubauen?

Siehe Antwort auf Frage 1.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Apothekerinnen und Apotheker wären fachlich aus Sicht der CDU Saar in der Lage, Mehrleistungen zu erbringen. Dies sollte allerdings sorgfältig abgewogen werden. Dieser Diskussionsprozess, in den auch die Ärzte und Krankenkassen einbezogen werden sollten, ist aus unserer Sicht noch nicht abgeschlossen. Dennoch gibt es gute Gründe für eine Ausweitung von Aufgaben und Dienstleistungen, beispielsweise bei Folgerezepten für Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen, die gleichzeitig Arztpraxen entlasten könnten und damit die medizinische Versorgung insgesamt verbessern.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren zieht Ihre Partei aus der Corona-Pandemie?

Wir müssen in Zukunft aus dem an unseren Hochschulen vorhandenen Wissen mehr wirtschaftliche Wertschöpfung erzeugen. Dies gilt insbesondere für die Gesundheitswirtschaft. Wir sind überzeugt davon, dass gerade in den Bereichen Medizintechnik, Diagnostik, Pharmazie und Life-Sciences ein erhebliches Potential für Start-ups und Unternehmensgründungen liegt. Auch in der Digitalisierung bzw. in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz liegt ein enormes Potential für Geschäftsmodelle im Bereich e-Health. Deshalb wollen wir an der Uni-Klinik in Homburg ein breit verankertes Starterzentrum aufbauen, das systematisch das gründungsrelevante Forschungs- und Entwicklungs-Potential erfasst und dabei hilft, die medizinisch-technologische Expertise in Business-Pläne zu überführen.

Um auch bei künftigen pandemischen Lagen oder anderen medizinischen Notsituationen schnell und gezielt reagieren zu können, zentralisieren wir die Beschaffungs- und Lagerungsstruktur der saarländischen Kliniken. Hierzu zählt vor allem der Ausbau eines Zentrallagers, das an der Universität des Saarlandes bzw. im Rahmen einer Vernetzung der verschiedenen Klinikträger nach neuesten logistischen, technischen und digitalen Gesichtspunkten entstehen soll.

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