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Landtagswahl

Wen könnten Apotheker im Saarland wählen?

SPD

Im Saarland schließen im ländlichen Raum immer mehr Vor-Ort-Apotheken. Wie will Ihre Partei die Arzneimittelversorgung insbesondere in den ländlichen Regionen aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

Die Apotheken im Saarland werden immer weniger. Der Landestrend folgt dem Bundestrend. Glücklicherweise ist das Saarland trotzdem das Bundesland mit der höchsten Apothekendichte. Gerade für Menschen mit Einschränkungen und für betagtere Saarländerinnen und Saarländer im ländlichen Raum bedeutet der Wegfall ihrer Apotheke ein schwerer Einschnitt. Um dem entgegenzuwirken, ist ein Maßnahmenbündel notwendig: Betriebsübernahmen müssen erleichtert werden. Die Bürokratie muss abgebaut, die Digitalisierung ausgebaut, (digitale) Vernetzungen im Gesundheitssystem gestärkt werden. Damit junge Nachwuchskräfte den Weg in Apotheken im ländlichen Raum finden, setzen wir auf eine ganzheitliche Stärkung und Attraktivitätssteigerung des ländlichen Raums, die Arbeitsplatz und Lebensqualität zusammendenkt. Um unseren Visionen Taten folgen zu lassen, konnten wir hohe Fördersummen ab 2023 verhandeln.

Offen sind wir für neue Modelle, die insbesondere die Beratungskompetenz und den pharmazeutischen Blick der Apothekerinnen und Apotheker in einer vernetzten medizinischen Versorgungslandschaft (beispielsweise in regionalen Gesundheitszentren) in den Vordergrund rücken. Auch digitale Modelle mit Online-Beratungen sind für uns von Interesse.

Der Versandhandel wird zukünftig einen Teil des Bedarfes insbesondere dort abdecken, wo die persönliche Beratung in der Apotheke vor Ort nicht benötigt wird. Dennoch bleibt die Apotheke vor Ort weiterhin der wichtigste Ort für die Versorgung mit Medikamenten.

Welche Ideen hat Ihre Partei, den Nachwuchs in den Apotheken sicherzustellen und die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Das Saarland verfügt über ein attraktives Studienangebot im Bereich der Pharmazie. Gleiches gilt für die Ausbildung zum/zur Pharmazeutisch-technische Assistenten/Assistentin bzw. zum/zur Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellten. Die Qualität des Studiums bzw. der Ausbildung ist relevant für die Nachwuchsgewinnung, wie auch die anschließend zu erwartenden Arbeitsbedingungen. Für beides müssen die politischen Rahmenbedingungen gegeben sein.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge hat Ihre Partei, um diese auszubauen?

Die Vernetzung macht aus verschiedenen Gründen Sinn: erstens aus Sicht der Patientinnen und Patienten, die von einem verzahnten Angebot der verschiedenen Professionen profitieren. Aber auch aus Sicht der verschiedenen Akteurinnen und Akteure im Gesundheitssystem, die ebenfalls von systematischen Vernetzungen profitieren. Bestenfalls finden sie räumlich in Gesundheitszentren zusammen.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Wir erwarten die bundesweite Planung der Cannabis-Legalisierung. Eine lizenzierte Abgabe von Cannabis an erwachsene Personen in stationären Apotheken ist zu prüfen.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren zieht Ihre Partei aus der Corona-Pandemie?

Knappheit bei der Versorgung mit Medikamenten und Schutzmaterial führt zu explodierenden Preisen oder gar dem Ausfall der Versorgung. Die Pandemie hat den Blick auf dieses Problem gelenkt, das es auch unabhängig von der Pandemie gab und gibt. Die Globalisierung mit dem teilweisen Verzicht auf eine entsprechende Produktion in Deutschland oder zumindest in Europa hat uns stör- und krisenanfällig gemacht. Diesem Problem muss mit dem Aufbau entsprechender Produktionen in Deutschland und Europa begegnet werden.

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