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Leitlinie aktualisiert

Welche Medikamente sind bei Covid-19 empfehlenswert?

Laut Leitlinie muss etwa jeder zehnte Covid-19-Patient stationär behandelt werden. Bei akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz mit Dyspnoe und hoher Atemfrequenz (> 30/Min) sei in der Regel die Aufnahme auf die Intensivstation nötig. Bei diesen Patienten kommen mittlerweile verschiedene Arzneimittel zum Einsatz. 

»Die medikamentöse Therapie von Covid-19-Patienten nimmt in der aktualisierten Leitlinien-Fassung einen besonderen Stellenwert ein«, konstatiert die DIVI. Es gebe neue Empfehlungen zu zahlreichen Medikamenten. Aber: »Eine klinische Wirksamkeit einer medikamentösen Therapie bei moderater bis schwerer Covid-19-Erkrankung hospitalisierter Patienten ist weiterhin mit ausreichender Sicherheit nur für Dexamethason nachgewiesen«, so Privatdozent Dr. Christoph Spinner, Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, der den neuesten Stand zu Erkrankung und Therapie ausführlich beim Pharmacon@home im Januar vorgestellt hatte.

Andere Medikamente, sowohl mit antiviraler Wirksamkeit wie auch immunmodulatorische Therapien, können laut Autoren derzeit außerhalb klinischer Studien und entsprechend qualifizierter klinischer Einrichtungen aufgrund bisher noch fehlender Evidenz nicht regelhaft zum Einsatz empfohlen werden. Dazu zählen neben Remdesivir auch der IL-6-Antikörper Tocilizumab sowie die therapeutischen Antikörper gegen das virale Spike-Protein wie Bamlanivimab, aber auch das Antibiotikum Azithromycin und das Antiparasitikum Ivermectin sowie Vitamin D.

»Es sind mehr als 400 verschiedene Arzneimittel gegen Covid-19 in der Erprobung«, hatte Kluge am Donnerstag berichtet und zur Vorsicht bei vorab veröffentlichten Daten gemahnt. Zurzeit können man nur die für Covid-19 in Deutschland zugelassenen Medikamente empfehlen. Neben der Evidenz müsse man auch immer die möglichen Nebenwirkungen sowie Kosten und Verfügbarkeit im Auge haben. Immer sei der Patient über die Nutzen und Risiken und auch die Unklarheiten aufzuklären.

Dexamethason ja, Remdesivir vielleicht

Ganz klar empfohlen wird die Gabe von Corticosteroiden bei Patienten mit schwerer oder kritischer Covid-19-Erkrankung, genauer gesagt soll hier Dexamethason verabreicht werden. Laut einer Metaanalyse auf Basis von fünf randomisierten klinischen Studien mit insgesamt 7527 hospitalisierten Patienten konnte gezeigt werden, dass Dexamethason das absolute Sterberisiko bis zum Tag 28 nach Behandlungsbeginn um 2,8 Prozent reduziert – je schwerer die Erkrankung, desto höher der Effekt. Die eindeutigste Evidenz liege für eine Tagesdosis von 6 mg Dexamethason vor. Es soll über zehn Tage gegeben werden.

Zu Remdesivir (Veklury®) heißt es weiterhin: »Bei hospitalisierten, nicht beatmeten Patienten mit Covid-19 Pneumonie und Sauerstoffbedarf kann weder eine Empfehlung für noch gegen eine Therapie mit Remdesivir abgegeben werden.« Der Nutzen sei unsicher – dem stehen hohe Therapiekosten gegenüber. Möglicherweise gibt es jedoch einen Nutzen für spezifische Subgruppen und/oder einzelne klinische Endpunkte, wie die Dauer bis zur Genesung. Da die Verträglichkeit als gut gilt, kann daher der Einsatz in Erwägung gezogen werden. Dann beträgt die Dosis 200 mg Remdesivir an Tag 1, gefolgt von 100 mg pro Tag für fünf Tage, bei unzureichendem Therapieeffekt für bis zu zehn Tage. Leber- und Nierenwerte sollten täglich überprüft werden.

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