| Laura Rudolph |
| 23.04.2026 15:30 Uhr |
Aminopenicilline wie Amoxicillin zählen zu den Mitteln der ersten Wahl bei ambulant erworbenen Lungenentzündungen. / © Getty Images/Wladimir Bulgar/Science Photo Library
Die ambulant erworbene Pneumonie (Community-acquired Pneumonia, CAP) gehört zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten in Deutschland, verdeutlichte Internistin Dr. Cathrin Kodde, Charité Universitätsmedizin Berlin, vergangenes Wochenende beim Fortbildungskongress der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt in Wernigerode. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 600.000 bis 700.000 Menschen, bis zu 20.000 sterben daran.
Nur bei rund zwei Dritteln der Patienten mit Verdacht auf CAP gelinge ein Erregernachweis. »Dabei werden in etwa 43 Prozent der Fälle Bakterien identifiziert, Viren in rund 34 Prozent, und Mischinfektionen machen etwa 14 Prozent aus«, erklärte die Ärztin. Bei der Therapie einer bakteriell bedingten Lungenentzündung sei unbedingt auf einen rationalen Antibiotikaeinsatz zu achten, um Resistenzen zu vermeiden.
Der häufigste bakterielle Erreger ist Streptococcus pneumoniae, der als gut behandelbar mit β‑Lactamen gilt. Bei einer leichten Pneumonie ohne relevante Begleiterkrankungen empfiehlt die S3‑Leitlinie daher Amoxicillin (ohne Betalactamase-Inhibitor) als Mittel der ersten Wahl. Doxycyclin oder Makrolide sind Alternativen. Fluorchinolone sollen nur nachrangig eingesetzt werden.
Bei leichter CAP mit Komorbiditäten wie chronischer Herzinsuffizienz oder schwerem Asthma wird primär Amoxicillin plus Clavulansäure empfohlen, alternativ Moxifloxacin oder Levofloxacin.
Bei mittelschweren Verläufen ist eine Therapie mit einem β‑Lactam-Antibiotikum plus Betalactamase-Inhibitor oder mit einem Cephalosporin der zweiten oder dritten Generation angezeigt, gegebenenfalls in Kombination mit einem Makrolid. Letzteres sollte jedoch nach spätestens drei Tagen abgesetzt werden, wenn sich der Patient stabilisiert hat und keine atypischen Erreger wie Legionellen nachgewiesen wurden.
Bei schwerer Pneumonie erfolgt die Behandlung zu Beginn immer intravenös, etwa mit Piperacillin/Tazobactam, Ceftriaxon oder Cefotaxim.
Ein zentraler Punkt einer rationalen Antibiotikabehandlung ist neben der Wahl des Arzneistoffs auch die Therapiedauer. Für leichte und mittelschwere Pneumonien reichen in der Regel fünf Tage aus, sofern der Patient über mindestens 48 Stunden klinisch stabil ist. Bei schweren Verläufen wird eine siebentägige Therapie empfohlen. Längere Behandlungen sind klaren Ausnahmen wie einem Lungenabszess vorbehalten.
Was die Therapie häufig erschwert: Rund jeder fünfte Patient gibt laut Kodde an, an einer Penicillinallergie zu leiden. »Dann müssen vermehrt Breitbandantibiotika eingesetzt werden, was wiederum Resistenzen fördert«, so die Ärztin. Hinzu komme, dass nur bei einem Bruchteil der Patienten, die angeben, eine Penicillinallergie zu haben, auch tatsächlich eine vorliegt. Daher sei es sinnvoll, diese vermeindliche Allergie zu hinterfragen und abzuklären.