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Astra-Zeneca-Impfstoff

Weitere Sinusvenenthrombosen – STIKO berät noch

Nach zwei Fällen von Sinusvenenthrombosen nach der Covid-19-Impfung von Astra-Zeneca bei Frauen hat der Kreis Euskirchen die Impfung bei Frauen unter 55 Jahren vorerst ausgesetzt. Eine Neubewertung von Paul-Ehrlich-Institut und STIKO steht noch aus.
dpa
PZ
30.03.2021  10:40 Uhr

Der Kreis Euskirchen hat am Montag die Corona-Schutzimpfung von Frauen unter 55 mit dem Vektorimpfstoff von Astra-Zeneca vorläufig gestoppt. Nachdem eine geimpfte Frau (47) vergangene Woche gestorben war, sei dem Kreis nun der Verdacht auf «eine schwerwiegende Erkrankung» einer 28-Jährigen nach der Impfung mit Astra-Zeneca gemeldet worden. Beide hatten laut Kreis eine Sinusvenenthrombose erlitten. Die 28 Jahre alte Patientin sei in einem stabilen Zustand und werde in einer Spezialklinik versorgt, so der Kreis in einer Mitteilung. 

Einem «Bild»-Bericht zufolge wird zudem derzeit im Uniklinikum Köln bei einer Patientin der Zusammenhang einer Thrombose-Behandlung mit der Astra-Zeneca-Impfung geprüft. «Zu einer Häufung von Fällen ist es dort aber nicht gekommen», sagte der Sprecher der Klinik demnach. Die Uniklinik würde nun vorerst diesen Impfstoff dem eigenen Personal, das weiblich und unter 55 ist, nicht empfehlen.

Zwei weitere große Kliniken kamen zu der gleichen Entscheidung: Die Berliner Universitätsklinik Charité stoppt bis auf Weiteres alle Impfungen ihrer Mitarbeiterinnen unter 55 Jahren mit der Vakzine des Herstellers Astra-Zeneca. «Dieser Schritt ist aus Sicht der Charité notwendig, da in der Zwischenzeit weitere Hirnvenenthrombosen bei Frauen in Deutschland bekannt geworden sind», sagte die Sprecherin der Klinik, Manuela Zingl, am Dienstag. Sie betonte, dass in der Charité keine Komplikationen nach Impfungen mit dem Präparat aufgetreten seien. Kurz darauf folgte der landeseigene Berliner Klinikbetreiber Vivantes dem Vorbild.

Im Fall Euskirchen hieß es in einer Mitteilung: «Der Kreis Euskirchen hat heute Mittag die Bezirksregierung und das NRW-Gesundheitsministerium über die neue Lage informiert und das Moratorium vermeldet. Dabei handelt es sich um eine vorsorgliche Maßnahme, bis die zuständigen Fachdienststellen zu einen endgültigen Bewertung gekommen sind». Die Staatsanwaltschaft Bonn leitete routinemäßig ein Todesermittlungsverfahren ein. Nach Angaben eines Sprechers wurde die Obduktion der Leiche angeordnet.

Ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums teilte am Montagabend auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf zu dem Impf-Stopp mit: «Es handelt sich dabei um eine medizinische Entscheidung, die vorsorglich vor Ort getroffen worden ist.» Alle Daten zu möglichen Nebenwirkungen bei Impfstoffen liefen beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und dem Robert-Koch-Institut (RKI) zusammen. Dort würden die neuen Erkenntnisse fortlaufend überprüft. Nach Informationen des Gesundheitsministeriums berate die Ständige Impfkommission (STIKO) derzeit, ob aufgrund der Meldungen der vergangenen zehn Tage eine erneute Anpassung der Empfehlungen erforderlich sei. Das Ergebnis bleibe abzuwarten.

Ähnlich äußerte sich der Kreis Euskirchen: Rückfragen bei den übergeordneten Behörden seien zuvor damit beantwortet worden, dass das Paul-Ehrlich-Institut «die Vorgänge gewissenhaft prüfe, eine abschließende Stellungnahme jedoch nicht erfolgen könne». Das PEI machte auf dpa-Anfrage am Montag keine weiteren Angaben zum konkreten Todesfall in Euskirchen. Der Tod der Frau war dem Gesundheitsamt laut Kreis am vergangenen Freitag durch den verantwortlichen Arzt des regionalen Impfzentrums gemeldet worden, der die Informationen von der behandelnden Klinik erhalten hatte. Auch der neue Fall der 28-Jährigen sei von dem Arzt gemeldet worden, «nachdem er entsprechende Informationen von der behandelnden Klinik erhalten hatte.»

Mitte März waren in Deutschland Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astra-Zenecamehrere Tage vorsorglich ausgesetzt worden. Nach einer erneuten Prüfung bewertete die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA), das Nutzen-Risiko-Verhältnis positiv. Doch werde in den Hinweisen eine extra Warnung vor möglichen seltenen Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen hinzugefügt, erklärte die EMA. Vergangene Woche folgte ein Rote-Hand-Brief

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