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Impfstoffsicherheit

Impfungen mit Astra-Zeneca in Deutschland ausgesetzt

Die Impfungen mit dem Covid-19-Vektorimpfstoff von Astra-Zeneca werden in Deutschland vorerst ausgesetzt. Das Paul-Ehrlich-Institut hat eine entsprechende Empfehlung herausgegeben, teilte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit.
Christina Hohmann-Jeddi
15.03.2021  16:00 Uhr

Nach einigen Berichten von thromboembolischen Ereignissen nach Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astra-Zeneca hat nun auch die deutsche Bundesregierung beschlossen, die Impfungen mit der Vakzine vorsorglich auszusetzen. Der Grund sei eine aktuelle Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), das in Deutschland für die Impfstoffsicherheit zuständig ist, heißt es vom BMG. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte in einer Pressekonferenz in Berlin am Montag Einzelheiten: »Hintergrund sind neu gemeldete Fälle von Thrombosen der Hirnvenen, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Astra-Zeneca Impfung stehen. Vor dem Hintergrund dieser neu gemeldeten Fälle hat das PEI heute die Lage neu bewertet und eine Aussetzung der Impfung sowie weitere Untersuchungen empfohlen.« Insgesamt seien in Deutschland sieben dieser Fälle von Hirnvenenthrombosen bei 1,6 Millionen Impfungen mit dem Präparat gemeldet worden. 

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) werde jetzt entscheiden, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffs auswirken. Die Entscheidung zur Aussetzung betreffe sowohl die Erst- als auch die Folgeimpfungen. Die Impfzentren in Deutschland seien schon entsprechend informiert. Folgeimpfungen können nach einer positiven Entscheidung der EMA gegebenenfalls nachgeholt werden, sagte Spahn

»Die Entscheidung heute ist eine reine Vorsichtsmaßnahme«, betonte Spahn weiter. »Uns allen ist die Tragweite dieser Entscheidung sehr bewusst und wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht.« Aber für ihn stehe fest, dass es sich um eine fachliche Entscheidung und keine politische handele. »Daher folge ich den Empfehlungen des PEI.« Nun müsse man den Behörden die Zeit geben, die gemeldeten Fälle zu untersuchen. Das Ergebnis dieser Untersuchung sei noch offen. Spahn hofft auf eine baldige Entscheidung der EMA.

In einer Mitteilung des PEI heißt es: »Bei der Analyse des neuen Datenstands sehen die Expertinnen und Experten des Paul-Ehrlich-Instituts jetzt eine auffällige Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff Astra-ZenecaSchon am Freitag hatte der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) der EMA mitgeteilt, ein entsprechendes Sicherheitssignal zu untersuchen. Er habe eine Überprüfung von Fällen von Immunthrombozytopenie – einer Autoimmunerkrankung – nach Covid-19-Impfung mit einem der zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna oder Astra-Zeneca begonnen.

Das PEI rät Geimpften, die den Astra-Zeneca-Impfstoff erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen, sich unverzüglich in ärztliche Hilfe zu begeben. Mögliche Symptome seien starke und anhaltende Kopfschmerzen und punktförmige Hautblutungen. 

Zuvor hatte schon eine Reihe von europäischen Ländern, darunter Dänemark, Norwegen, Irland und die Niederlanden beschlossen, die Verimpfung der Vakzine vorerst zu stoppen. Ein Kausalzusammenhang zwischen der Impfung und den Gerinnungsstörungen ist bislang nicht bewiesen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA überprüft alle bislang eingegangenen Meldungen.

In einer Mitteilung der EMA von heute heißt es, dass in wenigen Fällen von thromboembolischen Ereignissen »mit ungewöhnlichen Merkmalen wie niedrige Blutplättchen-Zahl« berichtet wurde. Die Zahl der thromboembolischen Ereignisse bei Geimpften scheine nicht höher zu liegen als in der restlichen Bevölkerung. Am Dienstag werde der PRAC die bisherigen Daten noch einmal überprüfen und voraussichtlich am 18. März eine Entscheidung treffen, so die EMA. Die Behörde geht bislang davon aus, dass der Nutzen des Impfstoffs durch Verhinderung von Covid-19-Erkrankungen, die mit Risiken für Hospitalisierung und Tod einhergehen, das Risiko durch Nebenwirkungen übertrifft. 

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