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Die K-Frage aus Apothekersicht (Teil 2)

Was würde eine Kanzlerin Baerbock für die Apotheker bedeuten?

Mit Annalena Baerbock haben die Grünen erstmals eine Kanzlerkandidatin benannt. Neben CDU-Kandidat Armin Laschet und SPD-Anwärter Olaf Scholz ist Baerbock die am wenigsten erfahrene Politikerin. Auch mit der Gesundheitspolitik hatte Baerbock bislang wenig zu tun. Trotzdem müssten sich die Apotheker wohl auf größere Änderungen einstellen, wenn die Grünen maßgeblich an einer Bundesregierung beteiligt werden.
Benjamin Rohrer
23.04.2021  10:30 Uhr

Dass sich die Grünen vor der diesjährigen Bundestagswahl ins Rennen ums Kanzleramt einmischen wollen, war schon länger bekannt. Seit dieser Woche steht fest, dass die gebürtige Hannoveranerin Annalena Baerbock die Grünen zur Kanzlerschaft führen will. Für die Apotheker wäre es sicherlich spannend gewesen, wenn sich die Grünen-Spitze für Robert Habeck entschieden hätte. Denn Habecks Eltern sind beides Apotheker. Und dass der Co-Vorsitzende der Grünen die apothekenpolitischen Liberalisierungstendenzen seiner Partei als Kanzler wohl unterbunden hätte, machte er spätestens 2019 klar als er Medienberichten zufolge großen Online-Konzernen (namentlich Doc Morris und Amazon) den Kampf ansagte.

Annalena Baerbock hingegen hat keine so gut nachvollziehbaren Bindungen zu den Apotheken. Die 40-jährige Grünen-Politikerin studierte Politikwissenschaften und öffentliches Recht in Hamburg und Völkerrecht in London. Wie Armin Laschet (CDU) arbeitete Baerbock nach ihrem Studium zunächst als Journalistin. Ihr erstes größeres politisches Amt bekam sie, als sie 2008 zur Vorsitzenden der Grünen Brandenburg gewählt wurde. 2013 wurde sie über die Landesliste Brandenburg erstmals in den Bundestag gewählt, 2017 konnte sie ihr Mandat bestätigen – erneut über die Landesliste.

Sehr wenige Ausflüge in die Gesundheitspolitik

In beiden Legislaturperioden beschäftigte sich Baerbock allerdings nur marginal mit der Gesundheitspolitik. Vielmehr war sie unter anderem in den Ausschüssen für EU-Angelegenheiten, Klima und Frauen/Familie/Jugend tätig. Baerbocks größter Ausflug in die Gesundheitspolitik war eine Initiative zur sogenannten »Zustimmungslösung« in Sachen Organspende. Zur Erinnerung: Die Grünen-Chefin führte die interfraktionelle Gruppe von Parlamentariern, die diese Zustimmungslösung forderten, unter anderem mit der CDU-Gesundheitsexpertin Karin Maag an.

Auch die Brandenburger Standesvertretung der Apotheker hat dem Vernehmen nach bislang keinen Kontakt zu der Grünen-Politikerin gehabt – ein apothekenpolitisch »unbeschriebenes Blatt«, wie man aus Brandenburger Apothekerkreisen hört. Insofern ist es mit Blick auf die Bundestagswahl eher wichtig, das gesundheits- und apothekenpolitische Programm der Grünen unter die Lupe zu nehmen. Dann wird auch klar, dass sich bei einer Regierungsbeteiligung der Grünen, gerade wenn die Grünen das Gesundheitsministerium bekommen sollten, weitreichende Veränderungen auch im Apothekensystem ergeben könnten.

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