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Was planen die Parteien in Rheinland-Pfalz für die Apotheker?

Das sagt Die Linke

In Rheinland-Pfalz schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken auf dem Land. Was wollen Sie dagegen tun?

Ein wichtiger Faktor für die Attraktivität eines Berufs ist das Gehaltsniveau. Hier liegen alle pharmazeutischen Berufe gemessen an ihrer Qualifikation deutlich unter vergleichbaren Berufen. Apothekerinnen und Apotheker verdienen in der Industrie erheblich mehr als in der Apotheke. Wir sind davon überzeugt, dass die Attraktivität auch gesteigert werden kann, indem die heilberufliche Seite des Apothekerberufs gestärkt wird. In diesem Sinne wollen wir die pharmazeutische Betreuung inklusive Medikationsmanagement deutlich ausbauen und an die neuen technischen Möglichkeiten anpassen (Digitalisierung). Hier muss bei neuen Aufgaben auch über neue Vergütungsmodelle nachgedacht werden. Das ABDA-/KBV-Modell zur Reform der Arzneimittelversorgung, das in dem ARMIN-Projekt in Thüringen und Sachsen teilweise erprobt wird, bietet weitere Ansätze, wie die Aufgaben der Apotheken im Interesse der Patientinnen und Patienten ausgeweitet werden können. Wie beschrieben, wollen wir die Arzneimittelabgabe im Gegenzug unbürokratischer gestalten und die Beratungsqualität fördern. Das Pharmaziestudium muss praxistauglicher werden und die klinische Pharmazie noch stärker berücksichtigen.

Wenn die Apothekenzahl stetig sinkt, wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte befürworten Sie?

Gerade im ländlichen Raum ist es ein großes Problem, wenn Apotheken verschwinden. Menschen ohne eigenes Auto haben oft Schwierigkeiten, an wichtige Medikamente zu kommen. Wir treten dafür ein, durch den Aufbau eines flächendeckenden, barrierefreien ÖPNV zum Nulltarif allen Menschen Mobilität zu ermöglichen. Wir müssen aber auch dafür eintreten, dass Apotheken vor Ort bleiben. Um die medizinische Versorgung zu stärken, wollen wir medizinische Versorgungszentren einrichten. Eine Lösung könnte sein, diesen Apotheken anzugliedern.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie um diese auszubauen?

Medizinische Versorgungszentren sind keine Profitcenter von Unternehmen und Freiberuflern. Eine flächendeckende, in angemessener Zeit erreichbare Versorgung mit Arztpraxen und Krankenhäusern ist zu gewährleisten. Die integrierte Versorgung nach dem Vorbild der Polikliniken muss weiterentwickelt und kommunale Gesundheitsdienste müssen ausgebaut werden. Dies ist auch der Ort, von dem aus die ambulante Pflege von chronisch Kranken und von betagten Menschen in ihrer häuslichen Umgebung organisiert werden kann. Die Krankenhausfinanzierung des Landes muss ausgebaut werden. Hierbei muss mit 100 Prozent Förderungen ein Schwerpunkt auf die Kliniken im ländlichen Raum gelegt werden.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Apotheker:innen in einer Vor-Ort-Apotheke müssen mehr Geld erhalten. Die Ausbildungssituation an den Universitäten muss verbessert werden. Zudem müssen Perspektiven geschaffen werden. Dazu muss die Apothekenversorgung gerade im ländlichen Raum geregelt und bezuschusst werden.

Wo sehen Sie künftig die Rolle der Vor-Ort-Apotheken in der Arzneimittelversorgung?

Die Apotheke soll ein verlässlicher Ansprechpartner vor Ort bleiben.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Durch die im ARMIN-Projekt vorgesehene Wirkstoffverordnung wird eine fundierte Beratung an Bedeutung gewinnen. Wir wünschen uns eine kompetente Unterstützung von Kranken.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Wir sehen, dass die pharmazeutische Produktion und die Logistik bei der Verteilung, zum Beispiel von Impfstoffen besser ineinander greifen müssen. Wir halten es für sinnvoll, Patente auf Medikamente und Impfstoffe von großer gesellschaftlicher Bedeutung frei zu geben, um Engpässe zu vermeiden. Den großen Einsatz von Apotheken bei der Überwindung des Mangels an Desinfektionsmitteln begrüßen wir außerordentlich. Aus dieser Situation müssen wir lernen, für solche Situationen künftig vorzusorgen, etwa durch bessere Bevorratung in Krankenhäusern.

Sorge bereitet uns, dass Apotheken durch ausbleibende Umsätze bedroht sind. Es ist erfreulich, dass die Maßnahmen zum Schutz vor Corona eine große Grippewelle weitgehend verhindert und auch leichtere Infekte deutlich reduziert haben. Dass dies nun für Apotheken wirtschaftlich bedrohlich wird zeigt, wie absurd das Gesundheitssystem organisiert ist. Damit das System irgendwie funktioniert, müssen genügend Menschen krank sein. Das scheint paradox. Wir wollen darum, dass das Gesundheitssystem als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ausfinanziert und nicht von der Marktlogik abhängig gemacht wird. Dabei müssen auch Apotheken in die Planung des Gesundheitswesens einbezogen werden.

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