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Landtagswahl 2021

Was planen die Parteien in Rheinland-Pfalz für die Apotheker?

Am 14. März dürfen die rund 3,1 Millionen Wahlberechtigten aus 52 Wahlkreisen bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ihre Kreuzchen auf dem Stimmzettel setzen. Damit entscheiden sie darüber, wer für die nächsten fünf Jahre im Landesparlament in Mainz sitzt. Die PZ hat sich umgehört, welche Pläne es so für das Apothekenwesen und die Arzneimittelversorgung gibt.
Jennifer Evans
12.03.2021  09:00 Uhr

In Rheinland-Pfalz stehen ganz oben auf auf dem Wahlzettel die SPD, die  CDU und die AfD. Danach folgen Bündnis 90/Die Grünen, die FDP und Die Linke. Zum ersten Mal zur Wahl steht in diesem Jahr zudem die Wählervereinigung Klimaliste RLP, die Satirepartei Die Partei, die Tierschutzpartei sowie die erst 2020 gegründete Partei Volt.

Bei der SPD stellt sich die amtierende Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die derzeit in einer Ampelkoalition mit der FDP und den Grünen regiert, für weitere fünf Jahre zur Wahl. Diese Ampel-Konstellation halten die regierenden Parteien auch weiterhin für zukunftsfähig, wie sie vor einigen Wochen bei einer Pressekonferenz hervorhoben. Den letzten Umfragen zufolge hat die SPD auch die Nase vorn. Die Mehrheit der Rheinland-Pfälzer wünscht sich wieder Dreyer als Ministerpräsidentin. Für die CDU geht Christian Baldauf ins Rennen.

Welche Pläne haben die Parteien aber nun konkret, wenn es um das Apothekenwesen und die Arzneimittelversorgung im Land geht? Die Pharmazeutische Zeitung hat bei den Landesverbänden in Rheinland-Pfalz nachgefragt.

Das sagt die SPD

In Rheinland-Pfalz schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken auf dem Land. Was wollen Sie dagegen tun?

Aus Sicht der SPD ist derzeit eine flächendeckende Arzneimittelversorgung gewährleistet. Um weitere Apothekenschließungen, insbesondere kleiner Apotheken, in der Fläche zu verhindern, setzen wir uns auf der Bundesebene für gesetzgeberische Maßnahmen zur Stärkung der Präsenzapotheken ein.

Wenn die Apothekenzahl stetig sinkt, wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte befürworten Sie?

Für die Arzneimittelversorgung in Flächenländern ist es zwingend notwendig, dass es auch im ländlichen Raum mit einer geringeren Bevölkerungsdichte und an wirtschaftlich weniger attraktiven Standorten eine ausreichende Zahl von Apotheken gibt. Deshalb ist es aus unserer Sicht so wichtig, dass die Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität der Apotheken im ländlichen Raum durch gesetzgeberische Maßnahmen gestärkt werden. Die SPD strebt an in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Landesapothekerkammer und anderen Akteuren neue Konzepte für die Regelversorgung zu etablieren. 

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie um diese auszubauen?

Die SPD begrüßt ausdrücklich eine enge Zusammenarbeit von Hausärztinnen und Hausärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern im Sinne der Verbesserung der Beratung und Betreuung von Patientinnen und Patienten. In diesem Kontext bietet sich insbesondere die Stärkung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) als zentrales Thema der Versorgung an. Dazu wären aus unserer Sicht gemeinsame Lehrveranstaltungen im Studium, beispielsweise im Gebiet der Pharmakologie, zur Verbesserung der Vernetzung der akademischen Heilberufe denkbar. Auch könnten zertifizierte Fortbildungsveranstaltungen zu fachübergreifenden Themen die Vernetzung von Hausärztinnen und Hausärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern intensivieren.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Obwohl in den letzten Jahren die Zahl der Absolventinnen und Absolventen des Studiums der Pharmazie signifikant gestiegen ist, stehen dennoch nicht ausreichend Apothekerinnen und Apotheker zur Verfügung. Aus unserer Sicht gilt es deshalb Initiativen zur besseren Vereinbarung von Beruf und Familie zu setzen. Einen weiteren Ansatz verfolgen wir mit der Ausweitung von universitären Kapazitäten. Anlässlich der Planungen zu einem Ersatzneubau des pharmazeutischen Institutes der Johannes Gutenberg-Universität am Standort in Mainz sollte diese Option berücksichtigt werden.

Wo sehen Sie künftig die Rolle der Vor-Ort-Apotheken in der Arzneimittelversorgung?

Für die SPD ist die Vor-Ort-Apotheke unverzichtbar. Sie spielt auch zukünftig eine tragende Rolle bei der Arzneimittelversorgung der Bürgerinnen und Bürger im Flächenland Rheinland-Pfalz

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Die SPD sieht vor allem auf Basis des Apothekenstärkungsgesetzes neue mögliche pharmazeutische Dienstleistungen, die die Versorgungspraxis eingeführt werden könnten: Wir denken dabei an das Medikamentationsmanagement. Hier haben wir in Rheinland-Pfalz im Rahmen des Projekts zur vernetzten Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) mit dem elektronischen Medikationsplan, gute Erfahrungen der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern bei der Bewertung und Planung der Medikation von multimorbiden Patientinnen und Patienten gemacht. Auch bei den Impfungen sehen wir neue Betätigungsfelder, denn vor dem Hintergrund der laufenden pandemischen Impfungen in Impfzentren und mobilen Impfteams haben sich Apothekerinnen und Apotheker als zuverlässige und wichtige Partner an der Seite von Ärztinnen und Ärzten erwiesen.

Ein weiterer Bereich ist aus unserer Sicht die sektorübergreifende Versorgung bei Arzneimitteln. Vor dem Hintergrund zunehmender Liefereinschränkungen sollte bei speziellen Arzneimitteln ein unbürokratischer Austausch zwischen öffentlichen Apotheken und Krankenhausapotheken möglich sein. Eine entsprechende apothekenrechtliche Initiative der Länder im Rahmen des Apothekenstärkungsgesetzes ist bei den Bundestagsberatungen leider gestrichen worden.

Auch im Bereich der Ernährungsberatung und Beratung zur gesunden Lebensführung könnten wir uns eine stärkere Einbindung der Apotheken vorstellen, um zusätzlich ein niedrigschwelliges Angebot flächendeckend anzubieten.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Nicht erst seit der Corona-Pandemie stellen auftretende Lieferengpässe bei versorgungsrelevanten Arzneimitteln im klinischen Bereich und auch im ambulanten Bereich ein Problem dar. Hintergründe sind Zentralisierungstendenzen bei der Arzneimittelherstellung sowie eine Lieferung der erforderlichen Arzneimittel und Wirkstoffe ohne Vorratshaltung »just in time«. Die Bundesregierung hat zwar im Rahmen des Gesetzes für einen fairen Kassenwettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung bereits einzelne Maßnahmen zur Bekämpfung von Lieferengpässen auf den Weg gebracht, die aus unserer Sicht jedoch nicht ausreichen, da sie nur die Symptome von Lieferengpässen angehen. Die SPD wird Lösungsansätze über den Bundesrat einbringen. Eine erste Initiative wurde bereits eingebracht, um mit Hilfe einer Expertenkommission kausal die Hintergründe von Lieferengpässen zu ergründen. 

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