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Restless-Legs-Syndrom
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Was ist neu bei der Therapie?

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin haben eine neue S2k-Leitlinie zur Therapie des Restless-Legs-Syndroms herausgegeben. Neu gilt nun die Empfehlung, den Eisenstoffwechsel zu optimieren und medikamentöse sowie nicht medikamentöse Maßnahmen langsam und symptomorientiert einzusetzen.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 03.11.2022  11:00 Uhr

Levodopa beim Restless-Legs-Syndrom nur noch intermittierend

Levodopa wurde lange Zeit zur kontinuierlichen Therapie verwendet. Aufgrund der hohen Augmentationsrate bei täglicher Einnahme, insbesondere bei Dosen ab 200 mg, soll der Wirkstoff nun nur noch intermittierend und/oder zur Diagnostik mit einer maximalen Tagesdosis von 100 mg gegeben werden.

Bei einer Augmentation oder Therapieversagen der beschriebenen Optionen ist als Mittel zweiter Wahl retardiertes Oxycodon/Naloxon in einer Dosierung von initial zweimal 5/2,5 mg bis maximal zweimal 30/15 mg pro Tag bei mittelgradigem bis schwerem RLS zugelassen. Entsprechend der Nierenfunktion muss gegebenenfalls eine Dosisanpassung erfolgen. Typische Nebenwirkungen sind Obstipation, Hyperhidrosis, Pruritus, Müdigkeit und Benommenheit. Andere retardierte Opioide können off-Label eingesetzt werden. Bei Patienten mit komorbidem Schlafapnoesyndrom muss die Eindosierung eines Opioids wegen des Risikos einer Atemdepression vorsichtig und unter Überwachung der Respiration erfolgen.

Zur Therapieeskalierung ist unter Umständen die Kombination von einem Dopaminagonisten mit einem Opioid und/oder einem Gabapentinoid möglich.

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Min./Max. Tagesdosis Hinweise
Mittel der ersten Wahl
Eisenpräparate Eisen-II-Sulfat 325 mg zweimal täglich mit jeweils 100 mg Vitamin C (p.o.) bei leichtgradigem RLS und Ferritin ≤ 75 μg/l oder Transferrinsättigung < 20 %
Eisenpräparate Ferrocarboxymaltose 1000 mg Einmalgabe (i. v.) bei mittel- bis schwergradigem RLS und Ferritin ≤ 75 und nicht > 300 μg/l oder Transferrinsättigung < 20 %,
bei Unverträglichkeit oder Resorptionsstörungen bei oraler Eisenapplikation
Non-Ergot-Dopaminagonisten Pramipexol 0,18–0,52 mg retardierte Form als Off-Label-Anwendung
Non-Ergot-Dopaminagonisten Ropinirol 0,25–4 mg retardierte Form als Off-Label-Anwendung
Non-Ergot-Dopaminagonisten Rotigotin 1–3 mg empfohlene Dosis 2 mg, in der Zulassungsstudie keine Besserung unter der Gabe von 3 mg
Gabapentinoide Gabapentin 200–1800 mg in mehreren Dosierungen über den Tag verteilt Off-Label-Anwendung
Gabapentinoide Pregabalin 150–450 mg
150–300 mg Einmaldosis am Abend
Off-Label-Anwendung
Mittel der zweiten Wahl
Opioide Oxycodon/Naloxon ret. 2 × 5/2,5–2 × 10/5 mg, max.: 2 × 30/15 mg mittlere wirksame Dosis: 2 × 10/5 mg, Schlafapnoesyndrom beachten
Sporadisches/intermittierendes RLS
Dopaminergika Levodopa/Decarboxylase-inhibitor 100 mg/25 mg möglichst nur 100 mg/d, hohes Risiko der Augmentation, nach Möglichkeit nur intermittierende Gabe oder zu diagnostischen Zwecken
Tabelle: Medikamentöse Behandlungsoptionen des Restless-Legs-Syndroms gemäß S2k-Leitlinie »Restless-Legs-Syndrom«

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