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Covid-19

Was Herzpatienten jetzt beachten müssen

Lösliches ACE-2 als Medikament

Die Eintrittspforte für SARS-CoV-2 lässt sich möglicherweise auch als Medikament nutzen. Forscher um Professor Dr. Josef Penninger vom Life Science Institute in Vancouver, Kanada, testen derzeit ACE2 als Therapeutikum. Rekombinant hergestelltes lösliches ACE2 soll das Virus abfangen und damit dessen Andocken an das natürliche ACE2 auf den Zelloberflächen verhindern. »Auf diese Weise ließe sich vielleicht eine Infektion der Zellen vermeiden«, berichtete Eschenhagen.

Zellexperimente zeigen, dass das rekombinante Protein den Eintritt von SARS-CoV-2 in humane Zellen verhindern kann. Das ist ein möglicher therapeutischer Ansatz, für den bis jetzt jedoch klinische Daten fehlen. Hierzu soll in Kürze eine Multicenter-Studie mit etwa 200 Covid-19-Patienten starten, an der auch das UKE und das Klinikum rechts der Isar in München beteiligt sind.

Lebenswichtige Medikation beibehalten

Die stärksten Risikofaktoren für einen schwereren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung sind Bluthochdruck und kardiovaskuläre Erkrankungen. Bei den stationären Patienten entwickelt ein Viertel bis ein Fünftel im Verlauf erhöhte Spiegel an Biomarkern, die auf Gewebeschäden hinweisen.

»Wir können wahrscheinlich davon ausgehen, dass dieses Virus zusätzlich zu den kardiovaskulären Problemen, die jede schwere Viruserkrankung machen kann, noch spezifische Effekte auf das kardiovaskuläre System ausübt. Wir sehen an Laborparametern, dass es während der akuten Phase zu Herzschädigungen kommt, wissen aber noch nicht, ob diese Schäden reversibel sind und ob man sie vielleicht mit unseren Standard-Medikamenten auch positiv beeinflussen kann«, berichtete Professor Dr. Steffen Massberg, Direktor der medizinischen Klinik und Poliklinik I, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

»Patienten mit einer gut eingestellten Hypertonie haben bei einer Covid-19-Erkrankung jedoch eine deutlich bessere Prognose als Patienten mit einer nicht oder schlecht eingestellten Erkrankung«, betonte der Kardiologe. Leider würden Patienten zurzeit lebenswichtige Medikamente aus Angst oft nicht mehr einnehmen. Die kardiovaskuläre Grunderkrankung müsse jedoch adäquat behandelt werden. Das sei für Herzpatienten das Wichtigste

Seit dem Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie sinkt die Zahl der Herzinfarkte deutlich. Das belegen Daten aus China und vor allem Italien. Da nicht anzunehmen ist, dass das Virus protektiv wirkt, vermutet Massberg: »Während der Corona-Krise wurden Herzinfarkte in Italien seltener diagnostiziert, weil Patienten bei entsprechenden Anzeichen nicht ins Krankenhaus kamen.« Möglicherweise sind durch die Fokussierung auf Covid-19 Hinweise auf einen Herzinfarkt auch übersehen worden. Das ist ein zusätzliches Risiko der jetzigen Pandemie, dass andere, ebenfalls sehr gefährliche Krankheiten, aus dem Blick geraten.

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