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Hüft- und Kniegelenk-Ersatz

Was geht vor und nach der OP bei Arthrose?

Zu den aufgeschobenen Operationen aufgrund der Corona-Pandemie gehörten auch solche, bei denen Arthrose-Patienten neue Knie- oder Hüftgelenke bekommen sollten. Wie können diese die Zeit bis zur OP am besten überstehen und sich optimal vorbereiten? Und wie geht es nach der Operation weiter?
Daniela Hüttemann
25.11.2020  14:24 Uhr

Derzeit würden noch viele verschobene Operationen aus dem Frühjahr nachgeholt, berichtete die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik heute anlässlich ihres anstehenden Jahreskongresses. Größtenteils könne im Moment noch normal operiert werden, doch bestehe die Sorge, dass die Regelversorgung wieder heruntergefahren werde, um Kapazitäten für Covid-19-Erkrankte freizuhalten.

»Grundsätzlich ist es kein Problem, wenn Arthrose-Patienten ein paar Wochen länger auf ihr Ersatzgelenk warten müssen, solange die Schmerzen beherrschbar sind«, sagte Professor Dr. Karl-Dieter Heller, Präsident der Fachgesellschaft und Ärztlicher Direktor des Herzogin Elisabeth Hospitals Braunschweig. Ein akuter Eingriff sei nur selten nötig, zum Beispiel bei einer Hüftkopfnekrose. Während im Frühjahr coronabedingt rund ein Drittel der geplanten Operationen zum Einsatz eines künstlichen Gelenks abgesagt worden seien, zum Teil auch von den Patienten selbst aufgrund der Angst vor einer Corona-Infektion im Krankenhaus, kämen im Moment nur wenige Absagen. »Viele Patienten haben bereits länger gewartet und möchten nun zügig operiert werden, da klar ist, dass die Pandemie noch eine Weile anhalten wird«, so Heller.

Physiotherapie, NSAR und Hilfsmittel sind die Basis

»Eine Arthrose schreitet normalerweise langsam voran«, bekräftigte auch Privatdozent Dr. Stephan Kirschner, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik und Direktor der Klinik für Orthopädie der St. Vincentius-Kliniken in Karlsruhe. Entscheidend für die OP seien nicht das Alter, sondern die Schmerzen, die Einschränkung des Bewegungsumfangs und damit die Beeinträchtigung im Alltag.

Basis der Therapie seien Krankengymnastik und so viel eigene Bewegung wie möglich, eine Schmerzbekämpfung und Entzündungshemmung mit nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) oral oder topisch sowie orthopädische Hilfsmittel wie Einlagen und Absatzerhöhungen für Schuhe oder Unterarm-Gehstützen. Gerade Letztere könnten schmerzende Hüft- und Kniegelenke deutlich entlasten, sodass sich die Beschwerden besserten, doch seien diese Gehhilfen bei den Patienten eher unpopulär. Dabei sei ein schöner Nebeneffekt ihrer Nutzung die Kräftigung der Muskulatur von Schultergürtel und Armen und die Schulung der Balance.

Diese zur Verfügung stehenden konservativen Therapiemöglichkeiten würden aber zu wenig ausgeschöpft, sowohl von Patienten- als auch von Arztseite. »Laut aktuellen Studien erhalten in der Realität nur etwa 60 Prozent der Patienten eine geeignete Schmerztherapie und nur 43 Prozent Krankengymnastik und physikalische Therapien«, so Kirschner. Dabei seien Unterarmgehstützen und Physiotherapie durchaus verordnungsfähig.

Reichten diese Maßnahmen und NSAR nicht aus, komme eine Gelenkinjektion von Corticoiden, Hyaluronsäure oder angereicherten patienteneigenen Blutplättchen zur vorübergehenden Linderung der Schmerzen infrage. Dies sei drei- bis sechsmal innerhalb eines Jahres möglich und könne eine Operation um mehr als drei Jahre hinauszögern.

Vor der Operation Zucker und Gewicht kontrollieren

Wichtig sei die aktive Mitarbeit der Patienten. Die Physiotherapie können nur ein Start sein, bei dem die Muskulatur der Patienten ohne Belastung aktiviert werde. Die Übungen sollten die Betroffenen regelmäßig zu Hause weiterführen und ihre Aktivität so gut es geht erhöhen. Denn gut trainierte Muskeln entlasten die Gelenke, machen auch fitter für die anstehende OP und erhöhen die Chance, die eingesetzte Prothese ohne Beschwerden möglichst lange nutzen zu können.

Insgesamt könnten die Patienten die Wartezeit auf den Eingriff nutzen, um fitter für ihre Endoprothesen-OP zu werden. »Betroffene sollten sich von ihrem Hausarzt über ihre persönlichen Risikofaktoren aufklären lassen und dann versuchen, gezielt gegenzusteuern«, sagte Kirschner. Dazu gehören mehr Bewegung und gesunde Ernährung, um Gewicht zu reduzieren, eine Überprüfung und gute Einzustellung des Blutzuckerspiegels, ein Rauchstopp und auch noch einmal ein Zahnarztbesuch. Denn jede Art von Entzündung, wie sie durch eine aktivierte Arthrose selbst, aber auch Diabetes, Zahnfleischentzündungen oder Zystitis vorhanden sein können, erhöht das Risiko für Komplikationen bei der OP sowie das Infektionsrisiko.

Von Physiotherapie und mehr Bewegung profitierten Übergewichtige und Patienten mit anderen Vorerkrankungen am meisten, auch wenn gerade diese Gruppen einer aktivierenden Therapie erst einmal skeptisch gegenüber stünden, so Kirschner. Für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Kurkuma gebe es keine Evidenz, doch könnten sie den entzündlichen Stoffwechsel positiv beeinflussen. »Wichtiger ist jedoch eine gute Lebensführung mit gesunder Ernährung.« Kirschners Tipp: Treppen laufen statt Fahrstuhl fahren und vor allem abends maßvoll essen.

Wie viel und welcher Sport ist erlaubt?

Nach der Operation ist Sport genauso wichtig wie davor. »Dass Patienten sich mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk schonen sollen, ist längst überholt – sie können und sollen die Prothese intensiv nutzen«, betonte Professor Dr. Carsten Perka, Generalsekretär der Fachgesellschaft und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité Berlin. Vor Lockerungen der Prothese oder gar Materialbrüchen müsse niemand mit moderner Prothese mehr Angst haben. »Die modernen Implantate halten auch extreme Belastungen aus«, so Perka, selbst Marathonlaufen sei möglich. Einzig von Kampfsportarten werde abgeraten. Der Experte betonte: »Inaktivität ist ein viel größeres Risiko für die Prothese als Sport.« Und: »Bloß nicht passiv werden, sondern vor und nach der Operation die Muskulatur kräftigen.«

Gelenkschonende Sportarten wie Wandern, Nordic Walking, Radfahren oder Skilanglauf gingen immer. Ansonsten komme es auch darauf an, welchen Sport der Patient vorher schon betrieben habe und auch nach der Operation ausüben möchte. Perka riet ab, Skifahren erst mit Prothese zu lernen; doch wer mit den Bewegungsmustern vertraut sei, könne weiterhin den Hügel herunterfahren. Auch Sportarten, bei denen die Gelenke einen großen Bewegungsradius brauchten wie Ballett oder Yoga, die früher mit Prothese kaum oder nur eingeschränkt möglich waren, seien nun kein Tabu mehr. Gleiches gelte für viel Gartenarbeit in der Hocke.

Grundsätzlich seien alle heute verbauten Prothesen für den normalen Alltag gut geeignet. Für Sportler und vor allem auch jüngere Patienten seien Keramik-Keramik-Prothesen, die nur einen sehr geringen Abrieb hätten, eine gute Alternative, wenn auch im Schnitt 1000 Euro teurer als herkömmliche Prothesen. Dafür könne man von einer Haltbarkeit von mindestens 25 Jahren ausgehen. Daraus könnten sich eingesparte Prothesenwechsel ergeben. Dies werde bei der bisherigen Vergütung per Fallpauschalen jedoch nicht berücksichtigt, kritisierte Präsident Heller.

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