Warnsignale könnten schlechter Schlaf über längere Zeit, exzessiver Sport oder hoher Alkoholkonsum sein oder wenn man sich in Arbeit stürze, sagt Piekorz. Gerade Männer neigten zum Schweigen oder zögen sich zurück. Viele ignorierten dies eine ganze Weile. »Das ist fahrlässig.«
Die Psychologin vergleicht das mit der Motorkontrollleuchte im Auto: »Wenn die aufleuchtet, würden viele Menschen recht zeitnah in die Werkstatt fahren und nachgucken lassen, was los ist«, sagt sie. »Doch die eigenen mentalen Warnzeichen schieben viele Männer erstaunlich lange beiseite, funktionieren weiter.« Irgendwann aber stehe man auf dem Seitenstreifen, nichts gehe mehr.
Ihre Faustregel: »Wenn Belastungssymptome nicht mehr weggehen, andere einen darauf ansprechen oder Erholungszeiten zum Beispiel im Urlaub oder am Wochenende nicht mehr erholsam sind, dann wäre es gut, sich professionelle Unterstützung zu holen und genauer hinzuschauen.«
Psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei kein Zeichen von Schwäche oder eine Niederlage, betont Piekorz. Es gehe um Selbstverantwortung für das eigene Leben, die eigene Gesundheit. »Und so ein Perspektivwechsel kann ja durchaus sehr männlich und stark sein, dass man sich selbst anders bewertet.«
Piekorz verweist etwa auf spezielle Beratungsstellen für Männer, niedrigschwellige Angebote wie Telefonseelsorge oder kirchliche Männerkreise. Eine Übersicht zu Beratungsangeboten in unterschiedlichen Themenfeldern finden Interessierte auch auf dem bundesweiten Portal »maennerberatungsnetz.de« des Bundesforums Männer. Daneben kann auch die Hausarztpraxis Anlaufstelle sein.
Wichtig ist es Piekorz zufolge, eine Fachkraft zu finden, »mit der es zwischenmenschlich passt und wo man sich dann auch auf Augenhöhe gut begleitet fühlt«. In vielen Fällen ist eine Beratung auch anonym möglich, etwa telefonisch, via Videocall ohne Kamera, Mail oder Chat. Das kann für Betroffene manchmal entscheidend sein. »Neben der Vertraulichkeit, die ja immer gilt, brauchen manche ein besonderes Maß an Diskretion«, stellt Piekorz fest.