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Nicht-Tumorschmerzen
Wann Opioide angezeigt sind

Wovon Experten abraten

Bei einer ganzen Reihe von Krankheiten raten die Experten von Opioid-Analgetika ausdrücklich ab, weil die Risiken höher sind als der Nutzen. Dazu zählen sie unter anderem Migräne und Spannungskopfschmerzen, funktionelle Störungen wie Reizdarm- und Fibromyalgiesyndrom sowie chronische Schmerzen als Leitsymptom psychischer Störungen, zum Beispiel bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung, generalisierter Angststörung oder posttraumatischer Belastungsstörung.

Lösen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und eine chronische Pankreatitis die Pein aus, können Opioide kurzfristig im akuten Schub, aber nicht langfristig eingesetzt werden.

Klar abgeraten von Opioiden wird bei Suizidalität, Abhängigkeit oder Weitergabe von Medikamenten sowie erheblichen Zweifeln am korrekten Gebrauch. Auch bei Kindern und Jugendlichen sowie bei geplanter oder bestehender Schwangerschaft sind die Medikamente nicht angezeigt.

Auf Nebenwirkungen achten

Ausdrücklich geht die Leitlinie auf unerwünschte Wirkungen ein, die der Arzt auch mit dem Patienten besprechen sollte und die teilweise eine Prophylaxe oder Behandlung erfordern. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Benommenheit, Obstipation, trockener Mund, Schwäche, Kopfschmerzen, Juckreiz und vermehrtes Schwitzen. Abgesehen von Obstipation und Hyperhidrose bilden sich diese jedoch meist nach zwei bis vier Wochen zurück.

Erhöhte Sturzgefahr und Verwirrtheit gefährden vor allem ältere Menschen. Ein Schlaf-Apnoe-Syndrom kann sich verschlechtern oder neu auftreten. Auch sexuelle Funktionsstörungen sind zu beachten. Patienten sollen in der Ein- und Umstellungsphase nicht Auto fahren und möglichst keine Maschinen bedienen.

Die Experten weisen auch in der Patientenversion der Leitlinie darauf hin, dass die Einnahme von Opioiden zu körperlicher Abhängigkeit führen kann (nicht muss). Das Risiko einer Suchtentwicklung sei bei bestimmungsgemäßem Gebrauch jedoch gering.

Wichtig für die Apothekenpraxis: Eine Langzeitmedikation mit Opioiden soll im bundeseinheitlichen Medikationsplan aufgenommen werden. Ist der Patient stabil eingestellt, sollte ein Wechsel auf ein Präparat mit anderer Pharmakokinetik und -dynamik nur nach Rücksprache mit dem Arzt und Aufklärung des Patienten erfolgen.

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