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Opioid-Analgetika

Auch für alte Menschen geeignet

Opioide erlauben eine wirksame organschonende Schmerztherapie bei alten Menschen mit Tumor- und Nichttumorschmerzen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin hin. Doch es sind einige Grundregeln zu beachten.
Brigitte M. Gensthaler
31.07.2020  08:50 Uhr

»Eine Opioid-Therapie im Alter ist nicht nur möglich, sondern sehr oft nötig«, betonte Dr. Johannes Horlemann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag. Bei richtiger Anwendung im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie könne man mit Opioiden effektiver und zugleich schonender Therapieerfolge erzielen als mit anderen Analgetika.

Laut DGS sind Opioide geeignet bei Patienten mit Tumorschmerzen, aber auch bei Patienten mit chronischen Schmerzen aufgrund degenerativer Erkrankungen, die im Alter häufig vorkommen. Er wolle die Ärzte ermutigen, Opioide auch in dieser Indikation einzusetzen – »nicht nur kurzfristig, sondern gerade in der Langzeittherapie«, sagte der Schmerzmediziner. Er begründete dies mit der guten Organverträglichkeit von Opioiden im Vergleich zu nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). »Lieber ein starkes Opioid in niedriger Dosis, das keine Organtoxizität aufweist, als ein schwaches Analgetikum, das man hoch dosieren und damit vermehrt Nebenwirkungen in Kauf nehmen muss.«

Bekanntlich sind NSAR wenig bis nicht geeignet für Patienten mit Hypertonie, Herzinsuffizienz oder chronischem Nierenversagen. In Kombination mit einem Diuretikum und einem ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten erhöhen sie das Risiko für ein akutes Nierenversagen um etwa 30 Prozent; dieser Effekt wird als »Triple Whammy« (Dreifachschlag) gegen die Niere bezeichnet. Gefürchtet sind zudem gastrointestinale Blutungen und Ulcera, die nicht selten zu Krankenhausaufenthalten führen.

Zu den Grundregeln im Umgang mit Opioiden gehört unter anderem deren vorsichtige Eindosierung (Start low, go slow), wobei verschiedene Darreichungsformen helfen. Flüssige Arzneiformen sind vorteilhaft für Patienten mit Schluckbeschwerden. In der Dauertherapie geht es um die Auswahl einer individuell geeigneten Galenik, mit der mit einer Einmalgabe möglichst stabile 24-Stunden-Wirkspiegel erzielt werden. Dies vermeidet ein Aufflammen der Schmerzen am Ende eines Dosierintervalls, schmerzbedingte Schlafstörungen und die Entwicklung einer Abhängigkeit. Bei der Auswahl des Wirkstoffs müsse man zudem auf das Interaktionspotenzial achten. Bei der Wirkstoffauswahl helfen auch sogenannte PIM-Listen (PIM: Poten­tially Inappropriate Medication) wie PRISCUS und FORTA.

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