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Darmkrebs

Vorsorge greift bei familiärer Belastung oft zu kurz

In Deutschland werde Darmkrebs in Folge einer genetischen Vorbelastung bei der Vorsorge nur unzulänglich berücksichtigt, warnt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) anlässlich des Darmkrebsmonats März.
Christiane Berg
15.03.2022  07:00 Uhr
Vorsorge greift bei familiärer Belastung oft zu kurz

Darmkrebs ist häufig. In Deutschland entwickeln jährlich etwa 70.000 Menschen eine Neuerkrankung, die zumeist nach dem 50. Lebensjahr festgestellt wird. Es gibt jedoch auch eine nicht unerhebliche Zahl an Menschen, bei denen Darmkrebs schon zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auftritt, betont die DGVS.

Diese Menschen, so die Fachgesellschaft, fallen aus dem GKV-Vorsorgeraster heraus – mit oft tödlichen Folgen. Denn bei ihnen wird der Darmkrebs häufig erst diagnostiziert, wenn er bereits Beschwerden verursacht oder sich Metastasen in anderen Organen gebildet haben. Das sei besonders fatal, da Darmkrebs und seine Vorstufen durch eine Operation grundsätzlich gut behandelbar seien.

Erblicher und familiärer Dickdarmkrebs

Bei etwa 20 Prozent der 70.000 Neuerkrankungen sind auch Verwandte betroffen. Bei Dickdarmkrebs wird zwischen erblichen und familiären Formen unterschieden. Von einer erblichen Form spricht man, wenn der Krankheit ein einfacher Erbgang, also eine monogene Vererbung zugrunde liegt. Die Krankheit beruht auf der Mutation eines einzigen Gens. Der Träger einer derartigen Veränderung hat ein hohes Erkrankungsrisiko. Auf eine monogene Vererbung sind nach Erkenntnissen des Deutschen Konsortiums Familiärer Darmkrebs drei bis fünf Prozent aller Tumorerkrankungen des Dickdarmkrebs zurückzuführen. Kinder eines betroffenen Elternteils erben die ursächliche Mutation mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Die Erkrankungsrisiken für Träger einer Mutation liegen in Abhängigkeit von der veränderten Erbanlage zwischen 40 und 80 Prozent.

Von einer familiären Form des Dickdarmkrebses wird gesprochen, wenn in einer Familie weitere Verwandte betroffen sind, ohne dass sich dies auf die Veränderung in einer einzigen Erbanlage zurückführen lässt. Die Familiarität kann auf der kombinierten Wirkung mehrerer Gene, also einer multifaktoriellen Vererbung beruhen, wobei hier noch kaum wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. 

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