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Darmkrebs

Bei familiärer Belastung ist Vorsorge besonders wichtig

Das seit dem Jahr 2002 von der GKV finanzierte Angebot zur Darmkrebsfrüherkennung zählt zu den effektivsten Vorsorgemaßnahmen, die der Medizin zur Verfügung stehen. Doch es besteht noch Verbesserungsbedarf.
Christiane Berg
12.05.2021  10:30 Uhr

Aktuell haben gesetzlich Versicherte zwecks Darmkrebsfrüherkennung ab dem Alter von 50 Jahren Anspruch auf einen immunologischen Test auf verstecktes Blut im Stuhl pro Jahr. Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren haben außerdem das Anrecht auf eine Vorsorgekoloskopie. Die Mehrzahl aller kolorektalen Karzinome wird nach dem 50. Lebensjahr identifiziert.

»Zirka 10 Prozent aller Darmkrebsfälle treten jedoch bereits in den Lebensjahren unter 50 auf«, betonte Professor Dr. Frank Kolligs bei der Online-Jahres-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). »Betroffene werden durch die grundsätzlich sehr erfolgreichen Maßnahmen zur Früherkennung von Darmkrebs nicht erfasst. Und das, obwohl in dieser Lebenspanne die familiäre Häufung als wichtigster Risikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs bekannt ist«, führte er weiter aus.

Achtung bei Karzinomen in der Verwandtschaft ersten Grades

Die Gefahr, im Laufe des Lebens an Darmkrebs zu erkranken, sei bei familiärer Belastung im Vergleich zur Normalbevölkerung um das Zwei- bis Sechsfache erhöht. Das Risiko für ein kolorektales Karzinoms sei dabei umso größer, je jünger dieser Verwandte bei der Diagnose gewesen sei, je mehr Verwandte betroffen seien und je enger der Verwandtschaftsgrad sei, sagte Kolligs mit Verweis auf die S3-Leitlinie »Kolorektales Karzinom«.

Danach treten etwa 20 bis 30 Prozent aller kolorektalen Karzinome »familiär gehäuft« auf, wobei die Ursachen für diese Häufung bislang noch unbekannt sind. Diskutiert werden unter anderem schädliche Lebensgewohnheiten wie übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum, falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, Übergewicht und Stress. Lediglich 5 bis 8 Prozent aller kolorektalen Karzinome werden auf genetisch bedingte Veränderungen und somit Veranlagung zurückgeführt.

Etwa 10 Prozent aller Erwachsenen hätten einen erstgradig Verwandten, dazu gehören Eltern, Geschwister und Kinder, mit der Diagnose Darmkrebs. Dann sei das mittlere Risiko zwei- bis dreifach erhöht. Eine weitere drei- bis vierfache Risikosteigerung bestehe, wenn das Karzinom beim Indexpatienten vor dem 60. Lebensjahr aufgetreten und/oder mehr als ein Verwandter ersten Grades betroffen sei. Auch wenn bei erstgradig Verwandten im Rahmen einer Koloskopie Darmkrebsvorstufen wie Polypen festgestellt und entfernt wurden, sei eine gesteigerte Gefahr nicht auszuschließen.

Mit Blick explizit auf erstgradig Verwandte von Darmkrebspatienten könne das Risiko weiter aufgeteilt werden. So sei es bei Geschwistern etwa 2,5-fach höher als bei Kindern. Ist der Indexpatient nach dem 60. Lebensjahr erkrankt, ist das Krebsrisiko für die erstgradig Verwandten nur noch gering erhöht. Auch Verwandte zweiten Grades, also Großeltern, Geschwister der Eltern und Enkel von Erkrankten haben laut Leitlinie nur ein leicht gesteigertes Karzinomrisiko.

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