| Laura Rudolph |
| 01.09.2026 18:00 Uhr |
Die Quarantäne dient vor allem dazu, die virologische und bakteriologische Belastung der Tiere möglichst zu minimieren. »Das Mikrobiom nimmt durch die fütterungsfreie Phase deutlich ab, bis nur noch obligate Bakterien übrig bleiben«, erklärt Lang.
Aber: Mikrobiologisch unbedenklich bedeutet nicht steril. »Ein steriler Egel ist tot«, stellt die Tierärztin klar. Insbesondere Aeromonas gehört zur natürlichen Darmflora der Egel und ist deshalb ein bekanntes Infektionsrisiko bei der Anwendung. Regelmäßige Wasserwechsel sollen die Vermehrung von Keimen im Haltungswasser und somit auf dem Blutegel reduzieren.
Daneben begleiten zahlreiche Kontrollen die Quarantänephase. Es werden immer wieder stichprobenartig einzelne Egel einer Charge untersucht. Dazu werden Proben von Haut und Magen-Darm-Trakt entnommen und mikrobiologisch untersucht. Auch das Wasser wird regelmäßig chemisch-physikalisch und mikrobiologisch geprüft.
Geliefert werden die Biebertaler Blutegel in einem feuchten Stoffsäckchen. Das Paket ist ausgepolstert mit angefeuchtetem Schafsvorfilz. / © PZ/Laura Rudolph
Sämtliche Schritte und Untersuchungen werden chargenbezogen dokumentiert. »Wir müssen immer die Grätsche schaffen zwischen Tierwohl und pharmazeutischen Auflagen«, so Lang über die Herausforderungen bei der Produktion eines lebendigen Arzneimittels.
Erst wenn eine Charge alle Kontrollen bestanden hat und jeder Egel noch einmal händisch begutachtet wurde, geht es in den Versand. Prinzipiell können die Blutegel auch über den Großhandel bezogen werden. Lang empfiehlt jedoch, die Egel direkt beim Betrieb zu bestellen, damit diese eine möglichst kurze Reise haben.
Wohin mit den Blutegeln in der Apotheke? »Werden sie noch am selben Tag abgeholt, können sie in der Transportverpackung weitergegeben werden«, erklärte Lang. Kommt der Patient erst am nächsten oder übernächsten Tag, sollten die Egel umgesetzt werden (Handschuhe tragen!). Lang empfiehlt etwa einen zu zwei Dritteln mit Wasser gefüllten Urinbecher. Darin finden zwei bis drei Tiere Platz.
Alternativ eignen sich Schraubgläser oder Gefäße, die mit einem Baumwolltuch und Gummiband fest verschlossen werden. »Bohren Sie bloß keine Löcher in den Deckel«, warnte die Tierärztin. Blutegel schaffen es durch die kleinsten Öffnungen heraus.
Wichtig ist auch die Art des Wassers. Ideal ist destilliertes Wasser mit Salzzusatz. Alternativ können stilles Mineralwasser oder ungechlortes, kalkarmes Leitungswasser verwendet werden. Tabu sind dagegen Sprudelwasser und destilliertes Wasser ohne Salz. Die Kohlensäure beziehungsweise die falschen osmotischen Bedingungen können die Blutegel töten.
Und wohin mit dem Gefäß? Am liebsten haben es die Egel kühl, ruhig und dunkel. Werden sie im Kühlschrank gelagert, sollten sie spätestens 24 Stunden vor der Anwendung wieder herausgenommen werden. Als wechselwarme Tiere werden Blutegel in der Kälte träge und beißen dann unter Umständen nicht mehr zu. Wer die Egel zu lange im Kühlschrank gelassen hat, darf sie zum schnelleren Aufwärmen jedoch keinesfalls in warmes Wasser setzen, da dies den Tieren erheblich schaden kann.