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Blutegel
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Vom Teich in die Apotheke

Blutegel sind apothekenpflichtige Arzneimittel, gleichzeitig aber lebende Tiere. Wie werden sie gezüchtet, kontrolliert und gelagert? Ein Besuch bei der Blutegelzucht im hessischen Biebertal zeigt, welche pharmazeutischen und praktischen Herausforderungen hinter dem ungewöhnlichen Arzneimittel stecken.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 01.09.2026  18:00 Uhr

Beherzt greift Nadine Gutsche in den Eimer. Dutzende Blutegel winden sich darin umher und arbeiten sich mit ihren beiden Saugnäpfen erstaunlich schnell am Rand nach oben. Viel fehlt nicht, und die Tiere würden ausbüxen. Nur ein silbernes Band hält sie zurück: Eine leichte elektrische Spannung verhindert, dass sie den Eimer auf der Suche nach ihrer nächsten Blutmahlzeit verlassen.

Die Egel sind hungrig. Seit 32 Wochen haben sie nichts mehr gefressen. Die fütterungsfreie Quarantäne ist einer der letzten Schritte, bevor die Tiere die Blutegelzucht im hessischen Biebertal verlassen dürfen. Es ist einer von zwei Blutegel-Zuchtbetrieben in Deutschland.

Der Weg zum Arzneimittel

Gutsche prüft jeden einzelnen Egel auf Körperspannung, Verfärbungen, Einschnürungen, Blasen oder Absonderungen und sortiert die Tiere anschließend nach Größe: Die Kunden können zwischen Zucht- und Kulturegeln wählen, außerdem zwischen kleinen, mittleren und großen Tieren.

Welche weiteren Schritte durchlaufen die Blutegel auf ihrem Weg zum apothekenpflichtigen, nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel? Das erklärte Dr. Mirjam Lang, Tierärztin und Leiterin der Herstellung bei der Biebertaler Blutegelzucht, beim Besuch der PZ. »Zunächst muss zwischen Kultur- und Zuchtegeln unterschieden werden«, so Lang. Zuchtegel schlüpfen auf dem Betriebsgelände aus Kokons und wachsen dort heran, Kulturegel werden dagegen in der Natur aus bestimmten Teichen gefangen und nach Biebertal gebracht. Pro Jahr verkauft die Biebertaler Blutegelzucht rund 100.000 Zuchtegel und 300.000 Kulturegel der Art Hirudo verbana.

Die Tiere werden zunächst einer Charge zugeordnet. »Bei Wildfängen entspricht ein Teich einer Charge. Bei Zuchtegeln beginnt die Chargencodierung mit der ersten Fütterung«, erklärt Lang. Danach beginnt die eigentliche Aufzucht.

Gefüttert werden die Egel mit Blut von Bio-Rindern, das in Schweinedärme gefüllt wird. Dazu werden sie zusammen mit der »Blutwurst« in einen Eimer gesetzt. »Ein Blutegel kann das Fünf- bis Zehnfache seines Gewichts an Blut aufnehmen. Er speichert das Blut in Blindsäcken in seinem Magen und bedient sich nach und nach daraus«, so die Tierärztin.

Um die Qualität zu sichern, müssen sowohl das Fütterungsblut als auch die Schweinedärme mikrobiologisch kontrolliert werden. Die Egel werden rund fünf- bis sechsmal gefüttert, bevor sie in eine achtmonatige fütterungsfreie Quarantäne kommen. Sie werden dazu in Glasgefäßen mit Wasser gehalten, das zunächst täglich, später noch zwei- bis dreimal pro Woche gewechselt wird.

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