| Jennifer Evans |
| 01.09.2026 08:00 Uhr |
Kunstblut ist komplex: Fast jede Szene verlangt nach einer eigenen Rezeptur – abgestimmt auf Licht, Konsistenz und Effekt. / © Shutterstock/Uzo Borewicz/
Für Bühne und Kino ist Kunstblut längst ein eigener Geschäftszweig. Wirklich realistisch wirkt die rote Flüssigkeit aber erst, wenn Mischung und Zutaten stimmen. Wasser-, Farb- und Aromastoffe bestimmen Konsistenz, Fließeigenschaften und Geschmack – je nachdem, welchen Effekt der Regisseur erzielen möchte.
Die erste wichtige Entscheidung: Innen- oder Außenanwendung. Danach stellt sich die Frage: Soll das Blut fließen, tropfen oder spritzen? Und wie soll es nach dem Trocknen aussehen – glänzend oder verkrustet? Auch die Lichtstimmung spielt eine Rolle: Warmes Licht lässt Blut anders erscheinen als kaltes.
In der Industrie ist nahezu alles möglich. Die Basis besteht meist aus Wasser, häufig destilliert. Je nach Variante kommen Latex, Wachs, Glycerin, Titandioxid sowie braunes oder gelbes Eisenoxid hinzu. Auf Wunsch wird Aroma zugesetzt – damit Schauspieler keinen unangenehmen Geschmack im Mund behalten.
Eines der größten Kunstblutlabore steht in Berlin: Das Unternehmen Kryolan produziert seit 1945 solche Produkte für Spezialeffekte in Film und Theater und exportiert sie heute nach eigenen Angaben in die ganze Welt. Die Kundschaft kann zwischen unterschiedlichsten Sorten wählen: Blutkissen, die unter der Kleidung zerplatzen, Blutkapseln, die beim Draufbeißen spritzen, sowie Puder-, Pasten-, Gel- und Mousse-Varianten. Selbst Spezialprodukte wie Augenblut, für das sterilisiertes Wasser zum Einsatz kommt und das für entsprechende Farbschleiereffekte wässriger sowie niedriger pigmentiert ist, oder Infusionsblut für Filmkliniken gehören zum Sortiment.