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Blutegel
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Vom Teich in die Apotheke

Blutegel sind apothekenpflichtige Arzneimittel, gleichzeitig aber lebende Tiere. Wie werden sie gezüchtet, kontrolliert und gelagert? Ein Besuch bei der Blutegelzucht im hessischen Biebertal zeigt, welche pharmazeutischen und praktischen Herausforderungen hinter dem ungewöhnlichen Arzneimittel stecken.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 01.09.2026  18:00 Uhr

Keine besonderen Dokumentationspflichten

Nicht nur die Lagerung, auch die Abgabe wirft in Apotheken immer wieder praktische Fragen auf. Bei der Abgabe von Blutegeln ist keine besondere Dokumentation erforderlich. Es gelten die üblichen Vorschriften für Fertigarzneimittel. Lang empfiehlt jedoch, die Abgabe mit Charge und Empfänger sorgfältig intern zu dokumentieren, »allein schon wegen möglicher Reklamationen«.

Beschweren sich Kunden, etwa weil ein Egel nicht beißt, muss die Apotheke Kontakt mit dem Unternehmen aufnehmen, bei dem sie die Tiere eingekauft hat. »Apotheken können Egel innerhalb einer Woche bei uns reklamieren«, so Lang.

Einer der wichtigsten Beratungshinweise sei, die Tiere vor Gebrauch unter fließendem Wasser abzuspülen, um die Keimlast weiter zu minimieren. Die Therapie gehöre in die Hände eines erfahrenen Therapeuten, da unter anderem Kontraindikationen in Hinblick auf Erkrankungen und Medikamenteneinnahme geprüft werden müssen. Von einer Selbstmedikation ohne entsprechende Erfahrung rät die Expertin ab.

Die Wunden können bis zu 24 Stunden nach der Anwendung nachbluten. Pro Egel können insgesamt bis zu 50 ml Blut verloren gehen. »Hält die Nachblutung länger an, sollten Patienten allerdings einen Arzt aufsuchen«, so Lang. Besonders vorsichtig müssen Patienten sein, die Antikoagulanzien einnehmen.

Speichelcocktail mit Wirkung

Der Speichel ist es, der den Biss des Blutegels so therapeutisch macht. »Man weiß gar nicht so genau, wie viele pharmakologische Substanzen im Speichel enthalten sind – über hundert sind es auf jeden Fall«, so Lang. »Gerade die Wechselwirkungen dieser vielen Stoffe machen wahrscheinlich den eigentlichen Effekt aus.«

Während des gesamten Saugvorgangs arbeitet sich der Blutegel mit seinen mehr als 200 Kalkzähnchen durch die Haut des Patienten.

Der Speichel wirkt gerinnungs- und entzündungshemmend, gefäßerweiternd und lokal betäubend; manchmal tritt der Effekt erst mit Verzögerung ein. Häufige Einsatzgebiete sind etwa Arthrose, rheumatische Erkrankungen, Krampfadern oder Venenentzündungen. Auch in der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie findet der Blutegel Anwendung, zum Beispiel bei venösen Stauungen oder schlecht anwachsenden Transplantaten.

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