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Diskussion zur Expopharm-Eröffnung
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Versorgung, Verbraucherschutz, Verantwortung

Lieferengpässe, Versandhandel, Impfquoten und die Resilienz der Arzneimittelversorgung: Bei der politischen Diskussionsrunde zur Expopharm forderten Vertreter von Großhandel und Pharmaindustrie verlässlichere Rahmenbedingungen für die Versorgung.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 15.09.2026  11:45 Uhr

Dass der Verbraucherschutz etwa beim Versandhandel politisch zu wenig Beachtung finde, darüber herrschte in der Diskussion zur Expopharm-Eröffnung Einigkeit. Auf die Forderung nach verlässlichen Rahmenbedingungen für Hersteller und Großhandel konnte sich die Runde – bestehend aus Marcus Freitag, Vorstandsvorsitzender des Großhandelsverbands Phagro, Oliver Kirst, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI),  Han Steutel, Präsident des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender von Pharma Deutschland, sowie Pro-Generika-Vorstandsmitglied Basem Yazgi – ebenfalls einigen. Die politische Diskussionsrunde zur Expopharm-Eröffnung moderierte PZ-Chefredakteur Alexander Müller.

Freitag begrüßte die Honorarerhöhung für die Apotheken als »längst überfällig«, machte aber deutlich, dass der Pharmagroßhandel weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehe. Rund 65 Prozent der ausgelieferten Packungen seien defizitär. Mit Blick auf den Versandhandel unterschied Freitag zwischen dem klassischen Versand und den Aktivitäten großer Drogerieketten, die er noch deutlich kritischer bewertete. Die Politik müsse für gleiche Wettbewerbsbedingungen sorgen und klar definieren, welche Versorgungsstrukturen sie langfristig erhalten wolle. Die Problematik der ungleichen Rahmenbedingungen werde bislang nicht ausreichend erkannt.

Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV), setzt hier auch Hoffnungen in den neuen Bundesgesundheitsminister. Carsten Linnemann (CDU) sei aufgeschlossen, so Hubmann. Auch wenn Apotheken mit der Reform in dieser Legislatur abgeschlossen sein dürften, könnten die Themen Temperaturkontrolle und Zuzahlungsproblematik weiter auf der Agenda stehen, »da können wir nicht nachlassen«, versprach er.

Pharma Deutschland: Mit OTC-Switches Praxen entlasten

Jörg Wieczorek von Pharma Deutschland sprach sich für eine pragmatische Nutzung digitaler und onlinebasierter Versorgungsangebote aus, sofern diese die wohnortnahe Versorgung stützten. Zugleich betonte er, dass die Industrie gemeinsam mit dem Großhandel die Apotheken bereits unterstütze. Als Chance wertete er mögliche OTC-Switches, sofern diese medizinisch und pharmazeutisch sinnvoll seien. Dadurch könnten Bagatellerkrankungen stärker in Apotheken versorgt und Arztpraxen entlastet werden.

Für Yazgi stand die Versorgungssicherheit im Mittelpunkt. Lieferengpässe entstünden häufig dann, wenn sich die Produktion bestimmter Arzneimittel wirtschaftlich nicht mehr rechne und Hersteller diese einstellten. Statt pauschaler Fördermaßnahmen brauche es gezielte Anreize für Unternehmen, in die Produktion zu investieren. Kritisch sah er die bisherige Ausschreibungspraxis der Krankenkassen und plädierte stattdessen stärker für Open-House-Verträge sowie ein differenziertes, mehrstufiges Modell zur Sicherung der Generikaversorgung.

BPI: Gesundheitspolitik ist auch Sicherheitspolitik

Oliver Kirst  vom BPI zeichnete ein Bild wachsender geopolitischer Risiken und strategischer Abhängigkeiten bei Arzneimitteln. Gesundheitspolitik müsse deshalb als Bestandteil der Sicherheitspolitik verstanden werden. Der BPI habe hierzu bereits ein eigenes Sicherheitspapier vorgelegt. Notwendig seien Anpassungen bei Ausschreibungen, eine bessere Krisenvorsorge und eine stärkere industriepolitische Verankerung der Arzneimittelproduktion. Gesundheitspolitik sei auch Sicherheitspolitik, die fest verankert sein müsse. Zugleich kritisierte Kirst die hohen Ausgaben des deutschen Gesundheitssystems bei nur durchschnittlichen Ergebnissen. Er forderte nachhaltige Strukturreformen und eine stärkere Einbindung der Apotheken in die Primärversorgung.

vfa-Präsident Steutel argumentierte seinerseits, dass eine umfassende Rückverlagerung der Arzneimittelproduktion nach Deutschland aus seiner Sicht nicht realistisch sei. Stattdessen müssten globale Lieferketten stabiler und Unternehmen durch verlässliche politische Rahmenbedingungen unterstützt werden. Kritisch bewertete er die mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verbundene Anhebung des Herstellerabschlags.

Mit Blick auf die Impfversorgung verwies er auf sinkende Impfquoten trotz großer Anstrengungen der Hersteller. Sinkende Impfquoten seien »für uns alle als Volkswirtschaft verheerend«, warnte er. Die Einbindung der Apotheken ins Impfen sah er als wichtigen Fortschritt. Grundsätzlich müsse stärker »out of the box«  gedacht werden, um Prävention und Versorgung zu verbessern.

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