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Unionspolitiker lassen Teleclinic-Zur Rose-Deal rechtlich prüfen

Die Übernahme der Teleclinic durch den Schweizer Versandhandelskonzern Zur Rose wird zum Politikum. Nach Informationen der Pharmazeutischen Zeitung hat die AG Gesundheit der Unionsfraktion das Bundesgesundheitsministerium (BMG) gebeten, den Deal rechtlich zu prüfen. Es geht um das Zuweisungsverbot.
Benjamin Rohrer
08.09.2020  17:15 Uhr

Schon seit Wochen steht die Münchener Teleclinic in der Kritik. Grund dafür ist die Übernahme der Online-Praxis durch den Schweizer Zur-Rose-Konzern, der gleichzeitig den niederländischen Versandhändler Doc Morris kontrolliert. Im Juli war bekannt geworden, dass die Teleclinic für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an die Zur-Rose-Gruppe geht.

Im Apothekenmarkt hat der Deal für einen sofortigen Aufschrei gesorgt. Schließlich ist die Teleclinic einer der führenden Anbieter von ärztlichen Online-Sprechstunden in Deutschland. Unter dem gleichen Konzerndach beliefert Doc Morris täglich Tausende Kunden in Deutschland mit Arzneimitteln.

Verstoß gegen das Zuweisungsverbot?

Die Übernahme ist nun auch in der Berliner Gesundheitspolitik angekommen. Nach Informationen der Pharmazeutischen Zeitung haben die Mitglieder der AG Gesundheit der Unionsfraktion bei einer Sitzung am heutigen Dienstag das BMG gebeten, die Angelegenheit rechtlich zu überprüfen. Dem Vernehmen nach haben die Bundestagsabgeordneten mehrere Bedenken geäußert. Demnach ging es unter anderem um die Trennung der beruflichen Kompetenzen von Arzt und Apotheker sowie das Zuweisungsverbot.

Karin Maag (CDU), gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, bestätigte gegenüber der PZ, dass man mit dem BMG über die Situation nach der Übernahme gesprochen habe. Maag sagte wörtlich: »Dass die Arzneimittelverordnung jetzt sehr nah an die Arzneimittelversorgung heranrückt, macht uns sehr nachdenklich. Beide Bereiche sind aus gutem Grunde getrennt. Wir haben das BMG daher gebeten, das rechtlich zu prüfen.«

Teleclinic-Deal Thema bei der VOASG-Debatte?

Eine Möglichkeit, das Thema auch öffentlichkeitswirksam im Bundestag anzusprechen, könnte sich für die Unionspolitiker schon bald bieten. Denn noch in dieser Woche soll das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG) erstmals im Bundestag diskutiert werden. Dass die Unionspolitiker diese Chance nutzen, um ihren Unmut über den Zur-Rose-Deal zu äußern, ist nicht mehr unwahrscheinlich.

Die Teleclinic hat nach ihrer Übernahme derzeit aber auch Probleme im operativen Geschäft. Denn kurz nach dem Verkauf erklärte der Apotheken-Dienstleister apotheken.de die sofortige Beendigung der Kooperation. Zur Erinnerung: Patienten der Teleclinic konnten sich im Falle einer Arzneimittel-Verordnung von einer der etwa 6000 bei apotheklen.de gelisteten Apotheken oder der deutschen Versandapotheke »Mache« beliefern lassen. Das Landgericht Stuttgart bestätigte den Ausstieg von apotheken.de aus dem Deal – die Teleclinic hatte auf Weiterführung geklagt.

Seitdem muss sich die Teleclinic den Vorwurf gefallen lassen, möglicherweise gegen das Zuweisungsverbot zu verstoßen. Denn derzeit werden die ausgestellten Verordnungen prioritär an die Versandapotheke »Mache« weitergeleitet. Im Interview mit der PZ hatte die Teleclinic-Gründerin Katharina Jünger dies zugegeben, aber gleichzeitig bekräftigt, dass auf Wunsch des Kunden die Rezepte auch per Post an den Patienten verschickt werden. Außerdem arbeite man derzeit an Lösungen, die Vor-Ort-Apotheken wieder ins Boot zu holen.

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