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Allgemeinverfügung

Unbegrenzte Bevorratung von Paxlovid

Apotheken dürfen neuerdings das antiviral wirkende Covid-19-Medikament Paxlovid® unbegrenzt bevorraten. Das regelt eine neue Allgemeinverfügung, die seit Kurzem in Kraft ist. Hintergrund ist der Wunsch des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), diesen Wirkstoff verstärkt einzusetzen.
Ev Tebroke
06.07.2022  11:00 Uhr

Laut neuer Allgemeinverfügung, die am 29. Juni in Kraft trat, ist nun für zugelassene, zentral beschaffte, antivirale, oral einzunehmende Arzneimittel gegen Covid-19 eine unbegrenzte Bevorratung in der Apotheke zulässig. Bislang galt für Medikamente wie Paxlovid® (Nirmatrelvir/Ritonavir) ein Bevorratungslimit. Demnach durften öffentliche Apotheken maximal zwei Therapieeinheiten auf Vorrat halten. Für Krankenhausapotheken lag das Limit bei fünf Therapieeinheiten. Nun dürfen Apotheken also so viel Wirkstoff bestellen und bevorraten, wie sie für richtig halten. Es bleibt dabei, dass Apotheken die Arzneimittel nur bei Vorliegen einer ärztlichen Verschreibung abgeben dürfen. Die Allgemeinverfügung wird voraussichtlich spätestens am 25. November 2022 außer Kraft treten.

System mit Hausärzten in Vorbereitung

Hintergrund der Aufhebung eines Bevorratungslimits dürfte der Wunsch des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) sein, das Medikament Paxlovid zur Behandlung von Corona-Erkrankten verstärkt einzusetzen. Die Pläne machte Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach auf Twitter publik. »Paxlovid-Tabletten, kurz nach Infektion bei Älteren eingesetzt, senken Krankenhauseinweisung um 90 Prozent«, twitterte er am 3. Juli. Es werde ein System mit Hausärzten vorbereitet, diese »viel zu seltene Covid-Lebensrettung« regelmäßiger einzusetzen. »Medikamente haben wir genug«, so der Minister.

Das zentral vom BMG beschaffte und seit dem 25. Februar 2022 verschreibungsfähige Medikament Paxlovid wird hierzulande von den Ärzten nur sehr zögerlich verordnet. Gleichzeitig belegen Studien eine gute Wirksamkeit des Präparats. Die Covid-19-Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit Ende April, alle Corona-Infizierten mit dem höchsten Risiko für eine Krankenhauseinweisung mit Paxlovid zu behandeln.

Der Knackpunkt: Paxlovid ist für den ambulanten Einsatz vom Patienten selbst zu Hause gedacht, um einen schweren Covid-19-Verlauf mit Hospitalisierung zu vermeiden. Dazu muss es früh genug eingenommen werden, am besten direkt nach Diagnose-Stellung.

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