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Covid-19-Arzneimittel

Ärzte verordnen Paxlovid bislang sehr verhalten

Die Coronavirus-Infektionszahlen bleiben auf einem hohen Niveau. Trotz der weniger pathogenen Omikron-Variante gibt es unter diesen Neuinfektionen zahlreiche schwere Krankheitsverläufe. Um diese zu behandeln, gibt es seit Jahresbeginn zwei hochwirksame Wirkstoffe. PZ-Recherchen zeigen, dass die beiden Medikamente Paxlovid® und Lagevrio® bislang nur sehr verhalten verordnet werden. Die Tendenz ist aber steigend.
Benjamin Rohrer
08.04.2022  09:00 Uhr

Am Donnerstag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) rund 200.000 Coronavirus-Neuinfektionen. Wie viele dieser neuen Corona-Fälle in einen schweren Verlauf übergehen, ist nicht konkret festzustellen. Klar ist: Mehrere Studien zeigen, dass die derzeit umlaufende Omikron-Variante weitaus seltener zu Hospitalisierungen und tödlichen Verläufen führt. Allerdings kommt es weiterhin zu vielen schweren Erkrankungen. Alleine am Mittwoch gab es laut RKI 1900 Covid-19-bedingte Klinikeinweisungen. 246 Menschen mussten neu intensivmedizinisch behandelt werden.

Um solche Fälle zu verhindern, gibt es seit einigen Monaten zwei hochwirksame Medikamente im Markt. Seit dem 3. Januar können Ärzte beispielsweise Lagevrio® (Molnupiravir) verordnen. Das Medikament zeigte in Studien, dass das Risiko von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Covid-19-Patienten mit milden und mittelschweren Verläufen gesenkt werden konnte. (Hier finden Sie ein pharmazeutisches Porträt des Wirkstoffes.) Wenige Wochen später folgte dann die Zulassung von Paxlovid™, das aus den beiden antiviral wirksamen Wirkstoffen Nirmatrelvir und Ritonavir besteht, hier gibt es ein Porträt über Paxlovid. Vorgesehen ist Paxlovid für Erwachsene mit Covid-19-Diagnose, die keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen und ein erhöhtes Risiko haben, einen schweren Verlauf der Erkrankung zu entwickeln.

Im Gegensatz zu Lagevrio gab es bereits Anfang Februar große Paxlovid-Lieferungen, die Deutschland erreichten. Und: Erst vor kurzem hat es das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ermöglicht, dass Apotheken die oralen Covid-19-Medikamente auch in kleinen Mengen auf Vorrat bestellen dürfen. Das heißt: An der Verfügbarkeit der Medikamente sollten flächendeckende Verordnungen nicht scheitern. 

Bis Ende März: 285.000 Euro an die Apotheken ausgezahlt

Und trotzdem zeigen erste Zahlen, dass die Mediziner beide Arzneimittel bislang nur sehr verhalten verordneten. Die PZ hat sich beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) nach den bisherigen Erstattungsstatistiken erkundigt. Bis Ende März zahlte die Behörde rund 285.000 Euro an die Apotheken für die Abgabe, Beschaffung teils auch Auslieferung der beiden Medikamente aus. Denn: Der Verordnungsgeber (das BMG) hat geregelt, dass beide Medikamente priorisiert über den Botendienst abgegeben werden sollen. Die konkrete Packungszahl konnte das BAS allerdings nicht beziffern. Denn: Nicht hinter jeder Apotheken-Abrechnung steckt auch die Botendienstpauschale. Verrechnet man aber den maximalen Ausschüttungspreis, den Apotheken (inklusive Botendienst) pro Packung abrechnen können (67,50 Euro), ergibt sich eine Packungszahl von 4225.

Um die Entwicklung etwas genauer zu verstehen, hat die PZ auch beim Noventi-Konzern nachgefragt, der gleich mehrere Apotheken-Rechenzentren kontrolliert und einer der größten Abrechner in Deutschland ist. Laut einer Sprecherin landeten im ersten Monat nach Zulassung (Januar 2022) 532 Rezepte bei den Noventi-Abrechnern. Seitdem ist die Zahl der eingereichten Lagevrio- und Paxlovid-Rezepte allerdings stark steigend. »Waren es im Januar noch 532 Rezepte, die eingelöst wurden, sind es im März bereits über 2000 – und wir sind noch mitten in der Verarbeitung. Im Februar waren es 1429 Rezepte«, so die Unternehmenssprecherin.

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