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Menopause
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Trockenheit erfasst auch die Harnwege

Neigen sich die Wechseljahre dem Ende, bessern sich Hitzewallungen und Co. Nicht so beim Symptom Scheidentrockenheit und anderen Beschwerden im Urogenitalbereich: Die immer atropher werdenden Schleimhäute sind chronisch und brauchen lebenslange Pflege. Welche Topika sind empfehlenswert?
AutorKontaktElke Wolf
Datum 22.05.2026  07:00 Uhr

Echte und »unechte« Harnwegsinfekte

Die Atrophie der Schleimhäute betrifft neben dem Genitaltrakt auch Harnröhre und Blase. Rezeptoren für Estrogen finden sich im weiblichen Genitaltrakt und in der unteren Harnröhre, da beide Gewebe den gleichen embryonalen Ursprung haben. Daraus erwachsen neue Beschwerden für die Frauen: Schmerzen beim Urinieren, gesteigerter Harndrang, häufigere Toilettengänge. »Problem: Diese Beschwerden werden mitunter nicht der Menopause zugeordnet, sondern lassen an eine Harnwegsinfektion denken. Doch verordnete Antibiotika haben keinen Effekt. Der Gang zum Urologen ist der falsche Ansatz«, schilderte Görlitz-Novakovic die Schwierigkeiten bei der Einordnung der Symptome.

Zudem träten infolge des Estrogenmangels auch vermehrt Blasenentzündungen oder Harnwegsinfekte auf. Manche Frauen erleiden ihr zufolge mehr als zehn Infekte pro Jahr. »Dabei kann eine lokale Estrogentherapie, eventuell kombiniert mit befeuchtenden Topika, den betroffenen Frauen Leid – und Antibiotika – ersparen«, so Görlitz-Novakovic.

Estrogenrezeptoren sitzen auch an der Analschleimhaut, sinkende Hormonspiegel könnten deshalb auch Problemen mit Hämorrhoiden Vorschub leisten. Kommt es beim Toilettengang zu Juckreiz, Brennen oder Schmerzen, ist eine Rektalsalbe mit einem Lokalanästhetikum wie Lidocain (wie Lidoproct®, Posterisan® akut) oder Quinisocain (wie Haenal® akut) eine gute Empfehlung. Sie erzielen eine schnelle Schmerzlinderung innerhalb von 30 Minuten im Analbereich während der Akutphase und können bis zu drei Tage lang angewendet werden. Bessern sich die Symptome nicht, ist eine proktologische Abklärung erforderlich.

Vaginale Therapie

Weil der Estrogenmangel ursächlich ist, muss eine Therapie über die Wechseljahre hinaus erfolgen. Die Expertin erklärte das so: »Die menopausal bedingte Trockenheit ist ein chronisch fortschreitendes Problem. Es ist daher essenziell, den Betroffenen vom Arzt und auch bei der Abgabe in der Apotheke zu vermitteln, dass es sich um eine dauerhafte Erhaltungstherapie handelt und nicht um eine kurative Behandlung, bei der nach kurzer Anwendung das Problem gelöst ist.« Anders sehe es bei jüngeren Frauen aus, die etwa nach einer Antibiotikatherapie unter einem vorübergehenden Reizzustand leiden. Dann sei die kurzzeitige lokale Behandlung ausreichend.

Je nach Ausprägung der Beschwerden kommen nicht hormonelle Methoden zum Einsatz wie vaginale Gleitmittel oder Moisturizer mit Hyaluron oder Milchsäure. Auch eine Gabe von Laktobazillen kann versucht werden. So zeigt etwa eine kleine Untersuchung mit  postmenopausalen Frauen, dass der vaginale pH-Wert und in der Folge pathogene Keime abnahmen, wenn die Frauen drei Lactobacillus-haltige Intimhygieneprodukte mit L. plantarum und L. rhamnosus nutzten (wie Kadeflora® oder Vagisan® Probioflora Milchsäurebakterien).  Hinweis: Seit Mai 2024 dürfen Präparate, die lebensfähige Laktobazillen enthalten, nur noch als Arzneimittel auf den Markt gebracht werden. Das setzt voraus, dass ihre Wirksamkeit durch Studien belegt ist.

Als hormonelle Maßnahmen können lokal Estrogene (vor allem Estriol) appliziert werden, die in verschiedenen Darreichungsformen wie Creme, Ovula oder Zäpfchen verfügbar sind (Oekolp®, Ovestin®, Estriol Wolff®, Oestro-Gynaedron®). Anfangs erfolgt die Therapie täglich, nach wenigen Wochen ist eine zweimalige Anwendung pro Woche oft ausreichend. Manche Präparate enthalten zusätzlich Milchsäurebakterien.

»Ich sehe in der Kombination von topischem niedrig dosiertem Estriol und einem Hyaluronsäurepräparat eine sinnvolle Behandlungsoption, vor allem wenn die Schleimhaut in der Postmenopause sehr dünn geworden ist und wenn Geschlechtsverkehr ohne Schmerzen quasi nicht mehr möglich ist«, informierte Görlitz-Novakovic. Zumal das alleinige Estriol-Auftragen zu Anfang brennt, weil die atrophierte Schleimhaut erst aufgesättigt werden muss. Befeuchtende Zubereitungen mit Hyaluronsäure (wie Kadehydro® Gel, Creme oder Ovula) können diese Phase gut überbrücken helfen.

Görlitz-Novakovic sieht einen großen Bedarf an hormonfreien Alternativen, um die Scheidentrockenheit anzugehen. Schließlich stünden viele Frauen einer Therapie mit Estrogenen kritisch gegenüber – auch wenn sie nur lokal erfolgt und niedrig dosiertes Estriol lokal angewendet nachweislich keine systemische Wirkung nach sich zieht. »Und auch die große Patientinnengruppe mit überstandener Brustkrebserkrankung oder Frauen mit Thromboseangst, die Hormone prinzipiell meiden möchten oder sollten, verlangen nach hormonfreien Topika.«

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