Sinkende Estrogenspiegel bringen die Schleimhaut im Urogenitaltrakt aus dem Lot. Häufige Infekte können die Folge sein. / © Adobe Stock/Michaela Rofeld
Scheidentrockenheit, Brennen, Juckreiz, wiederkehrende Harnwegsinfekte und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr aufgrund mangelnder natürlicher Befeuchtung (Lubrikation) dürften zu den weniger bekannten klimakterischen Beschwerden gehören. »Weil sich die Schleimhaut nicht nur im Vaginalbereich verändert, sondern auch im unteren Harntrakt um den Eingang der Harnröhre, ist auch die Bezeichnung vom urogenitalen Menopausensyndrom gebräuchlich«, informierte Gynäkologin Dr. Sybille Görlitz-Novakovic bei einer digitalen Presseveranstaltung des Unternehmens Dr. Kade.
Weil die vulvovaginale Trockenheit immer noch sehr schambesetzt sei, sprächen die allerwenigsten Betroffenen von sich aus die Problematik in der gynäkologischen Praxis an. Hier gelte es, ärztlicherseits häufiger das Gespräch zu suchen und die Symptomatik »proaktiv« anzugehen, forderte sie, um Frauen die Unannehmlichkeit eines der häufigsten gynäkologischen Beschwerden zu nehmen.
»Schließlich sehen wir oft bei der Untersuchung, wie empfindlich und pergamentartig die Vaginalschleimhaut ist und bereits das Einführen von Instrumenten nur schwer möglich ist.« Die meisten Frauen wissen nicht, dass die Atrophie chronisch verläuft und auch nach der Postmenopause Beschwerden verursacht und dementsprechend weiterbehandelt werden muss. Selbst eine systemische Hormonersatztherapie hilft nicht in jedem Fall gegen die urogenitalen Symptome.
Urheber der Beschwerden ist der sinkende Estrogenspiegel und eine damit einhergehende Atrophie der Schleimhäute im Genitalbereich. Ein Mangel des Hormons reduziert die Kollagensynthese und Elastizität des Gewebes. Dadurch werden die Durchblutung und die vaginale Sekretion herabgefahren, was zur Folge hat, dass sich die Vaginalschleimhaut in ihrem Aufbau verändert und atrophiert.
Der Estrogenmangel dünnt die Epithelzellen aus; vor allem die Schicht der oben aufliegenden Superfizialzellen nimmt in ihrer Breite und damit in ihrem Schutzeffekt ab (siehe Grafik). Dies bewirkt wiederum eine Drosselung der Glykogenproduktion. Fehlt Glykogen, nimmt die Anzahl an Laktobazillen ab und somit auch die Produktion von Milchsäure. Der vaginale pH-Wert steigt von ungefähr 3,8 bis 4,5 auf einen pH-Wert von 6 bis 8.
Der Unterschied ist deutlich: Das nicht verhornte Plattenepithel der Vaginalschleimhaut ist vor der Menopause mit einer üppigen Schicht von Superfizialzellen ausgestattet. Sinken die Estrogenspiegel, schwinden die Superfizialzellen, was die Vaginalschleimhaut pergamentartig und entzündungsanfällig werden lässt. / © PZ/Ripperger
Durch den Rückgang der Laktobazillen verändert sich das vaginale Mikrobiom erheblich, wie etwa ein Übersichtsartikel aus dem Jahr 2025 zeigt. Da es bei Frauen vor der Menopause stark von Laktobazillen dominiert wird, hinterlässt deren Rückgang in den Wechseljahren eine Lücke, die von anderen Bakterien gefüllt wird. Die mikrobielle Vielfalt erhöht sich also. Verschiedene Gattungen wie Prevotella, Porphyromonas, Peptoniphilus, Anaerococcus, Atopobium, Gardnerella, Megasphaera und Bacillus können sich ansiedeln, von denen einige mit vaginalen Infektionen in Verbindung gebracht werden.
Das nicht mehr saure Milieu der Vaginalschleimhaut erleichtert Keimen, die nicht physiologisch in der Vagina vorkommen, das Eindringen und die Vermehrung. Scheideninfektionen können dadurch häufiger auftreten. Im ungünstigen Fall können die Bakterien auch über die Harnröhre bis in die Blase aufsteigen und dort Infektionen verursachen.