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Heilversuche
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Traditionelle Arzneipflanzen gegen das Coronavirus

Bei der Suche nach Mitteln gegen das neue Coronavirus setzen manche auf uralte Traditionen, andere auf fragwürdige Praktiken. Während manche Ansätze, zum Beispiel mit traditionellen Heilpflanzen durchaus einleuchten, wirken andere abstrus. Evidenz fehlt an allen Ecken und Enden.
AutorKontaktPZ/dpa
Datum 10.05.2020  09:00 Uhr

Pflanzliche Heilmittel sind in vielen Kulturen tief verankert und viele unserer wichtigsten Arzneistoffe kommen aus der Natur. Von daher ist es nicht vollkommen abwegig, auch unter den traditionellen Heilpflanzen weltweit nach solchen zu suchen, die wirksam gegen das neue Coronavirus sind, bei leichten Covid-19-Erkrankungen die Symptome lindern oder zumindest das Immunsystem stärken.  Dabei dürfen aber keine falschen Hoffnungen geweckt werden und Wirksamkeit, Qualität und Unbedenklichkeit sollten überprüft werden. Ein paar Beispiele aus der globalen Suche nach Heilmitteln:

Madagaskars Präsident Andry Rajoelina etwa bewarb jüngst ein «Covid Organics» genanntes Produkt vor. Das auf Basis heimischer Pflanzen hergestellte Getränk soll nach seinen Worten Immunität stärken, vor zahlreichen Viren und Fieber schützten – vor allem vor Lungenkrankheiten. Es soll Artemisia annua, den Einjährigen Beifuß, und das Lorbeergewächs Ravensara aromatica enthalten. Der Trank wurde an Schüler im Land verteilt, inzwischen haben auch andere afrikanische Länder Lieferungen bestellt. Allerdings warnte unter anderem der Leiter der medizinischen Akademie der Insel, der wissenschaftliche Erfolg des Trunks sei nicht nachgewiesen.

Traditionelle Arzneien sollen Immunsystem stärken

In Indien verkündete das Ayurveda-Ministerium bereits kurz nach dem Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle, dass traditionelle Medizin gegen Covid-19 helfen könnte. Doch nach Kritik sagte die Regierung lediglich, dass Alternativmedizin das Immunsystem gegen das neuartige Coronavirus stärken könne, aber keine Heilung sei. Das Ministerium behauptete zunächst auch, dass Prinz Charles durch eine Ayurveda-Behandlung von Covid-19 geheilt worden sei – dies wies Charles' Büro aber zurück.

In Venezuela gab es einen ähnlichen Vorschlag von Nicolás Maduro: Der Präsident empfahl zunächst auf Twitter eine Kräutermischung als Heilmittel gegen das Coronavirus. Der Post wurde inzwischen aber wieder gelöscht. Und Chinas Präsident Xi Jinping sagte, 90 Prozent der wieder genesenen Corona-Patienten hätten auch traditionelle chinesische Medizin erhalten. Dort hatten Ärzte bereits in ihren ersten Therapieempfehlungen auch einige TCM-Mittel aufgeführt.

In etlichen Ländern wird in der Corona-Krise auf traditionelle Medizin gesetzt. Etwa in Bolivien, wo es einen großen Anteil an Indigenen in der Bevölkerung und einen Minister für Traditionelle Medizin gibt. «In Bolivien haben wir Pflanzen, die helfen können», meinte jüngst der stellvertretende Minister für traditionelle Medizin, Felipe Quilla Muni. Beliebt ist ein Dampf aus Eukalyptus und Kamille. Die Leute atmen diesen ein; etwa in Dampfkabinen, die in der Nähe einiger Krankenhäuser und Banken aufgestellt wurden.

In Indonesien ist seit Beginn der Covid-Krise die Nachfrage nach rotem Ingwer gestiegen, der das Immunsystem besonders stärken soll. Dadurch schossen die Preise in die Höhe. Ähnlich war es auf Sri Lanka bei Kurkuma-Pulver. Daraufhin setzte die Regierung dort eine Preisobergrenze fest.

Doch bei all dem Hype um pflanzliche Medikamente gegen Covid-19 mahnte jüngst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Vorsicht. Auch bei traditioneller Medizin und Praktiken müsse «die Wirksamkeit und Sicherheit durch rigorose klinische Studien» getestet werden.

Cave, wenn Politiker zu Gesundheitsexperten werden

Manche lehnen sich bei Vorschlägen zu Do-it-yourself-Heilmitteln ziemlich weit aus dem Fenster. In Nepal etwa empfahl der Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli, dass man sich vor einer Coronavirus-Ansteckung schützen könne, indem man heißes Wasser trinke und Dampf-Therapie mache. Das Video ging viral.

Auch Donald Trump ließ die Öffentlichkeit an einigen ungewöhnlichen Ideen teilhaben: Der Präsident der USA ermunterte bei einer Pressekonferenz Forscher dazu, Möglichkeiten zu prüfen, Menschen Desinfektionsmittel zu spritzen, nachdem er zuvor Hydroxychloroquin und Chloroquin bereits vor vorliegen klinischer Daten als »Game Changer« bezeichnet hatte. Außerdem sinnierte er über Optionen, starkes Licht «in den Körper» zu bringen, um Corona-Infektionen zu behandeln. Später betonte er, dies sei nur «Sarkasmus» gewesen.

Wenn all das nicht gegen Covid-19 wirkt, hilft aus Sicht des Präsidenten Tansanias vor allem eins: beten. Im Vergleich zu den meisten anderen afrikanischen Staaten hat John Magufuli in dem ostafrikanischen Land wenig strenge Maßnahmen verhängt. «Es macht keinen Sinn, Kirchen oder Moscheen zu schließen, denn das sind die einzigen Orte, an denen wir Gott um Vergebung bitten können. Wir sollten weiterhin beten, damit Gott uns vor diesem Unheil bewahren kann», sagte Magufuli jüngst. Auch andere Länder wie Kenia riefen wegen der Corona-Krise einen nationalen Tag des Betens aus; die Bürger wurden aber gebeten, diesen zu Hause zu begehen.

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