| Cornelia Dölger |
| 16.06.2026 14:00 Uhr |
Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) hält das ApoVWG für »ein wichtiges Signal« der Apothekenstärkung. / © Imago/BildFunkMV
Mehr als 4 Millionen Bürgerinnen und Bürger müssen mehr als 6 Kilometer bis zur nächsten Apotheke zurücklegen. Damit leben knapp 5 Prozent der Einwohner Deutschlands in einer mit Arzneimitteln schwach versorgten Region. Über die »Untersuchung der Entfernungen zwischen Apotheken und der betroffenen Bevölkerung« des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung ILS Research informierte die ABDA unlängst. Die Standesvertretung hatte die Analyse in Auftrag gegeben.
Besonders viele Menschen, nämlich 21, 7 Prozent der Bevölkerung, sind demnach im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern von länger werdenden Wegen zur nächsten Apotheke betroffen. Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) setzt angesichts der Entwicklung auf Apothekenstärkung und sieht im jüngst vom Bundesrat abgesegneten Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) »ein wichtiges Signal«.
Das Gesetz sei intensiv zwischen Bund und Ländern diskutiert worden und stelle nun »einen ausgewogenen Kompromiss« dar. »Positiv bewerte ich die Ausweitung pharmazeutischer Dienstleistungen«, so Drese zur PZ. Für ihr Bundesland besonders wichtig sei die Einführung vergüteter Teilnotdienste. »Teilnotdienste haben sich in unserem Land bewährt.« Die vorgesehene Honorierung stärke die Versorgungssicherheit. Entscheidend für den Erhalt des Apothekennetzes sei freilich die nun beschlossene und verkündete stufenweise Anhebung des Fixums.
Hier sei aber Vorsicht geboten, damit der Ertrag nicht gleich wieder abgeschmolzen werde, nämlich durch die geplante Erhöhung des Kassenabschlags. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist dies bekanntlich vorgesehen; Apotheken sollen den Kassen ab 1. Januar 2,07 statt wie aktuell 1,77 Euro erlassen. Für Drese ist der Plan unausgereift: »Im Gegensatz zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz ist der Entwurf des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes keine gute Initiative.« Denn es sei ein reines Spargesetz, ohne dass die Ursachen der Finanzprobleme der GKV angegangen würden. Es würden lediglich Ausgaben gedeckelt und Leistungen eingeschränkt. Hier sähen alle Länder noch Nachbesserungsbedarf.
Dass mit dem ApoVWG Apotheken künftig noch stärker in Prävention, Gesundheitsförderung und Medikationsmanagement eingebunden werden, stärke ihre fachliche Kompetenz und verbessere die Versorgung, so Drese weiter. Für Entlastungen in den Praxen werde durch die erweiterten Impf- und Testmöglichkeiten in Apotheken gesorgt. Diese böten darüber hinaus einen leichteren Zugang zu Gesundheitsleistungen. »Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müssen wir die Kompetenzen aller Gesundheitsberufe stärker nutzen. Davon profitieren die Menschen insbesondere im ländlichen Raum«, so Drese.