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4 Millionen Menschen betroffen
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Mehr als 6 Kilometer zur nächsten Apotheke

Knapp fünf Prozent der Deutschen leben in einer mit Arzneimitteln schwach versorgten Region und brauchen mehr als 6 Kilometer zur nächsten Apotheke. Die ABDA mahnt angesichts des fortschreitenden Apothekensterbens eine finanzielle Stärkung der Offizinen an.
AutorKontaktPZ
Datum 09.06.2026  11:25 Uhr

Mehr als 4 Millionen Bürgerinnen und Bürger müssen mehr als 6 Kilometer bis zur nächsten Apotheke zurücklegen. Damit leben 4,9 Prozent der 82,6 Millionen Menschen in Deutschland in einer mit Arzneimitteln schwach versorgten Region, wie die ABDA heute informierte. Die absolute Zahl der vom Apothekenmangel betroffenen Menschen ist demnach in Bayern besonders hoch (knapp 900 000 Menschen), während in Mecklenburg-Vorpommern ein besonders großer Anteil der Bevölkerung (21,7 Prozent) weite Wege bis zur nächsten Apotheke auf sich nehmen muss. Das zeigt die Studie »Untersuchung der Entfernungen zwischen Apotheken und der betroffenen Bevölkerung« des Unternehmens ILS Research, die im Auftrag der ABDA erstellt wurde.

»Die Studienergebnisse zeigen insgesamt eine gute Apothekenversorgung, machen aber auch klare regionale Unterschiede sichtbar«, so Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV). »In Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen gibt es besonders viele ›isolierte‹ Apotheken, die die Versorgung einer ganzen Region allein stemmen müssen. Somit sind in ländlichen Räumen einzelne Standorte oft systemrelevant, weil sie eine Alleinversorgungsfunktion übernehmen.«

Lange Wege – vor allem auf dem Land

Ein Wegfall dieser Apotheken hätte laut Hubmann deutlich verlängerte Wege für die Menschen zur Folge und würde die Arzneimittelversorgung spürbar negativ beeinträchtigen. »Hingegen gibt es in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen kaum ›isolierte‹ Apotheken. Trotzdem weisen Städte wie Berlin eine geringe Apothekendichte auf. Heißt konkret: In Städten müssen die verbliebenen Apotheken deutlich mehr Patientinnen und Patienten versorgen«, erklärt der DAV-Vorsitzende und unterstreicht: »Sowohl auf dem Land als auch in der Stadt zieht jede Apothekenschließung eine Versorgungsbeeinträchtigung nach sich – entweder durch weitere Wege im ländlichen Bereich oder durch massive Überbelastung der verbliebenen Apotheken im städtischen Bereich.«

Hubmann wirft den Krankenkassen vor, dass sie das seit Jahren anhaltende Apothekensterben ignorierten und stattdessen vorrechneten, dass die Menschen im Durchschnitt nur wenige Kilometer oder Minuten einplanen müssen, um zur nächsten Apotheke zu gelangen. »Dabei berücksichtigen sie weder die tatsächliche Erreichbarkeit mithilfe von Auto oder öffentlichem Nahverkehr noch die sogenannten Solitärapotheken, bei deren Schließung sich die Versorgung für die betroffene Bevölkerung vor Ort drastischer als im bundesweiten Mittel verschlechtern würde«, so der DAV-Vorsitzende.

Für Hubmann ist klar, dass die Vergütung der Apotheken dauerhaft an die wirtschaftliche Gesamtentwicklung gekoppelt werden muss, damit die Versorgung der Menschen in Wohnortnähe erhalten bleibt. Die Zahl der Apotheken ist nach ABDA-Angaben bundesweit zuletzt auf 16.541 gesunken (Stand: 31. März 2026). In den vergangenen 13 Jahren sind rund 20 Prozent aller Standorte weggefallen.

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