Die Todesfälle durch Drogenvergiftungen in Verbindung mit Opiaten/Opioiden machen mit 1316 Toten die meisten Todesfälle aus – gefolgt von Vergiftungen mit Kokain/Crack (769), mit Heroin/Morphin (708), psychoaktiven Medikamenten (696) und mit Opiat-Substituten wie Methadon (611). Vergiftungen in Verbindung mit Amfetaminen lagen 602 Mal vor.
Auffallend ist laut dem Drogenbeauftragten die Ausbreitung synthetischer Opioide: So gab es zum Beispiel auch 118 Todesfälle mit Beteiligung von Fentanyl, einem hochpotenten Schmerzmittel, das als Droge in den USA eine tödliche Epidemie mit ausgelöst hatte.
»Wir sehen auf dem Markt Tabletten, die aussehen wie bekannte Medikamente, aber mit hochpotenten synthetischen Opioiden wie Nitazenen versetzt sind«, sagte Streeck zudem. Dabei handelt es sich um hochwirksame synthetische Opioide, die viel stärker als Morphin wirken und hochgradig giftig sind. »Wer sie einnimmt, weiß oft nicht, was wirklich darin ist«, erläuterte Streeck. Das mache sie so gefährlich. »Schon kleinste Mengen können tödlich sein.«
1777 Rauschgift-Tote waren nach den Zahlen des Bundeskriminalamts männlich, 373 weiblich. Im Durchschnitt waren die Opfer 40,6 Jahre alt. Beim Anteil derjenigen unter 30 gab es seit 2021 eine Steigerung um 53 Prozent, die Zahl der Unter-20-Jährigen hat sich fast verdoppelt.
Im Einzelnen waren 106 der Toten vergangenes Jahr unter 20 Jahre alt. 209 waren 20 bis 24 Jahre und 213 waren 25 bis 29 Jahre alt. Bei 455 lag das Alter zwischen 30 und 39 Jahren, 589 waren 40 bis 49 Jahre und 387 waren 50 bis 59 Jahre alt. Bei 191 Drogentoten weist die Statistik ein Alter ab 60 aus. Streeck sagte: »Die Verharmlosung von Drogenkonsum hat einen Preis, den wir hier sehen.«
Der Beauftragte wies aber auch darauf hin, dass die Entwicklung kein rein deutsches Problem sei. Weltweit sei der Drogenkonsum zuletzt weiter gestiegen, besonders bei Kokain und synthetischen Drogen. »Drogen, gefälschte Medikamente und hochriskante Mischungen sind heute oft nur wenige Klicks entfernt.« Der »Dealer an der Straßenecke« sei längst nicht das einzige Problem.
Tendenziell steigen die Opferzahlen seit einigen Jahren bis auf Ausnahmen an. Vor zehn Jahren, 2016, gab es zum Beispiel 1333 Drogentote in Deutschland. Die Experten hatten damals von einer Zunahme des Konsums von neuen psychoaktiven Substanzen berichtet. Die meisten Todesfälle waren auf Heroinkonsum zurückzuführen, mit immer älteren Heroin-Konsumenten. Dadurch steige die Gefahr, die Droge körperlich nicht zu verkraften, hieß es damals. Bis 2012 war die Opferzahl zurückgegangen.