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2150 Drogentote
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Synthetische Opioide zunehmend involviert

Der Drogenbeauftragte hat die Zahl der Drogentoten 2025 vorgestellt. Immer öfter werden Jüngere in Deutschland Opfer. Dabei spielen synthetische Drogen und der Mischkonsum, auch mit Medikamenten, eine wichtige Rolle.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 07.07.2026  14:50 Uhr

Für 2150 Menschen in Deutschland hatte der Konsum von Drogen im vergangenen Jahr tödliche Folgen. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung Hendrik Streeck (CDU) sprach von einer Totenzahl auf Rekordniveau. 2024 hatte es 2137 Drogentote gegeben. »Besonders erschüttert mich, dass die Opfer immer jünger werden«, sagte Streeck. Jeder vierte Drogentote ist jünger als 30. Seit 2021 sind die Todesfälle unter 30 um mehr als die Hälfte gestiegen, bei den Unter-20-Jährigen haben sie sich nahezu verdoppelt.

Streeck machte dafür auch den Mischkonsum von Medikamenten, Alkohol und anderen Substanzen verantwortlich – tödliche Kombinationen. »Viele dieser jungen Menschen können die Risiken noch nicht oder nicht vollständig überschauen.« Junge Drogentote hätten insbesondere Medikamente konsumiert. Oft beteiligt: Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel und andere psychoaktive Arzneimittel.

Streeck: »Suchthilfesystem nicht kaputtsparen«

Den in den allermeisten Fällen zugrunde liegenden Konsum mehrerer Substanzen nannte Streeck »hochgefährlich«. Er verlangte: »Wenn fast jeder vierte Drogentote unter 30 ist, dann darf unsere Antwort nicht Betroffenheit sein, sondern es braucht auch Konsequenzen: mehr Prävention, frühere Hilfe und ein Hilfesystem, das Menschen rechtzeitig erreicht.«

Angesichts der knappen Haushalte beim Bund, aber auch bei den Kommunen mit ihren Hilfeeinrichtungen forderte Streeck: »Wir haben in Deutschland ein gutes Suchthilfesystem, aber wir dürfen es nicht kaputtsparen.« Gerade Jugendliche bräuchten ausreichend Entzugs- und Therapieplätze. Es müsse Begleitung für Familien geben. Streeck forderte »Angebote, die sie erreichen, bevor aus Risiko ein Todesfall wird«.

Zur Vorstellung der aktuellen Zahlen wählte er eine Berliner Arztpraxis, in der Abhängige Diamorphin zur Substitution erhalten. Streeck kündigte Maßnahmen zur Eindämmung neuer Drogenprobleme an, die die Bundesregierung derzeit ressortübergreifend erarbeite. Ein Teil davon sollen ausgebaute Monitoring- und Frühwarnsysteme für synthetische Opioide sein, dazu kämen mehr Vorbeugung und Hilfeangebote für junge Menschen.

Opioide für den Großteil der Todesfälle verantwortlich

Die Todesfälle durch Drogenvergiftungen in Verbindung mit Opiaten/Opioiden machen mit 1316 Toten die meisten Todesfälle aus – gefolgt von Vergiftungen mit Kokain/Crack (769), mit Heroin/Morphin (708), psychoaktiven Medikamenten (696) und mit Opiat-Substituten wie Methadon (611). Vergiftungen in Verbindung mit Amfetaminen lagen 602 Mal vor.

Auffallend ist laut dem Drogenbeauftragten die Ausbreitung synthetischer Opioide: So gab es zum Beispiel auch 118 Todesfälle mit Beteiligung von Fentanyl, einem hochpotenten Schmerzmittel, das als Droge in den USA eine tödliche Epidemie mit ausgelöst hatte.

»Wir sehen auf dem Markt Tabletten, die aussehen wie bekannte Medikamente, aber mit hochpotenten synthetischen Opioiden wie Nitazenen versetzt sind«, sagte Streeck zudem. Dabei handelt es sich um hochwirksame synthetische Opioide, die viel stärker als Morphin wirken und hochgradig giftig sind. »Wer sie einnimmt, weiß oft nicht, was wirklich darin ist«, erläuterte Streeck. Das mache sie so gefährlich. »Schon kleinste Mengen können tödlich sein.«

Durchschnittsalter 40,6 Jahre

1777 Rauschgift-Tote waren nach den Zahlen des Bundeskriminalamts männlich, 373 weiblich. Im Durchschnitt waren die Opfer 40,6 Jahre alt. Beim Anteil derjenigen unter 30 gab es seit 2021 eine Steigerung um 53 Prozent, die Zahl der Unter-20-Jährigen hat sich fast verdoppelt.

Im Einzelnen waren 106 der Toten vergangenes Jahr unter 20 Jahre alt. 209 waren 20 bis 24 Jahre und 213 waren 25 bis 29 Jahre alt. Bei 455 lag das Alter zwischen 30 und 39 Jahren, 589 waren 40 bis 49 Jahre und 387 waren 50 bis 59 Jahre alt. Bei 191 Drogentoten weist die Statistik ein Alter ab 60 aus. Streeck sagte: »Die Verharmlosung von Drogenkonsum hat einen Preis, den wir hier sehen.«

Trends über die Jahre

Der Beauftragte wies aber auch darauf hin, dass die Entwicklung kein rein deutsches Problem sei. Weltweit sei der Drogenkonsum zuletzt weiter gestiegen, besonders bei Kokain und synthetischen Drogen. »Drogen, gefälschte Medikamente und hochriskante Mischungen sind heute oft nur wenige Klicks entfernt.« Der »Dealer an der Straßenecke« sei längst nicht das einzige Problem.

Tendenziell steigen die Opferzahlen seit einigen Jahren bis auf Ausnahmen an. Vor zehn Jahren, 2016, gab es zum Beispiel 1333 Drogentote in Deutschland. Die Experten hatten damals von einer Zunahme des Konsums von neuen psychoaktiven Substanzen berichtet. Die meisten Todesfälle waren auf Heroinkonsum zurückzuführen, mit immer älteren Heroin-Konsumenten. Dadurch steige die Gefahr, die Droge körperlich nicht zu verkraften, hieß es damals. Bis 2012 war die Opferzahl zurückgegangen.

Fünf-Punkte-Plan einer Allianz gegen Drogen

Die Deutsche Aidshilfe sprach von erschütternden Zahlen. Die Entwicklung, gerade bei Jüngeren, sei nicht hinnehmbar. Es brauche unbedingt mehr Aufklärung und Frühwarnsysteme zu den hochpotenten synthetischen Stoffen. »Die wachsende Verbreitung von Crack sowie synthetischen Opioiden, unberechenbare Wirkstoffgehalte und zunehmender Mischkonsum verschärfen die Lage zudem dramatisch. Deutschland steht an einem kritischen Punkt.«

Dabei gebe es konkrete, sofort umsetzbare und wissenschaftlich belegte Lösungen. »Es darf kein weiteres Jahr mit steigenden Todeszahlen geben.« Mit diesen fünf Maßnahmen könnte die Zahl der drogenbedingten Todesfälle nachweislich reduziert werden, schlägt ein Netzwerk aus mehreren Fachgesellschaften, Verbänden und Vereinen vor:

  1. Kommunale Frühwarnsysteme stärken: Trends und gefährliche Entwicklungen müssen früh erkannt werden, um rechtzeitig reagieren zu können.
  2. Drugchecking flächendeckend ermöglichen: Nur wer weiß, was die konsumierte Droge wirklich enthält, kann Risiken einschätzen und tödliche Überdosierungen vermeiden.
  3. Drogenkonsumräume ausbauen: Sie verhindern Infektionen, ermöglichen medizinische Hilfe im Notfall und schaffen sichere Konsumbedingungen sowie Zugang zu Beratung.
  4. Naloxon verfügbar machen: Dieses Notfallmedikament kann die Folgen einer Opioidüberdosierung wirksam abwenden. Dafür braucht es einen niedrigschwelligen Zugang und geschulte Ersthelferinnen und Ersthelfer.
  5. Substitution ausbauen: Sie verbessert die gesundheitliche Stabilität, reduziert Risiken des Konsums und eröffnet Perspektiven für ein stabileres Leben.

Der Fünf-Punkte-Plan ist nicht neu. Im September 2025 erfolgte der OTC-Switch von Naloxon. Ein entsprechendes OTC-Präparat ist allerdings bislang nicht in Deutschland auf den Markt gekommen.

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