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Jahresbilanz

Shop Apotheke: 1,6 Millionen Kunden mehr

Nach dem großen Zuwachs bei den Online-Bestellungen im Jahr 2020 erwartet der Versender Shop Apotheke auch für 2021 ein Wachstum. Für seine Kunden setzt er vor allem auf das E-Rezept und digitales Medikationsmanagement.
Jennifer Evans
03.03.2021  13:30 Uhr

Der Umsatz des Arzneimittelversandhändlers Shop Apotheke Europe ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 38 Prozent auf 968 Millionen Euro gestiegen (2019: 701 Millionen Euro), wie Unternehmenschef Stefan Feltens am heutigen Mittwoch mitteilte. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag demnach bei 21,6 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch minus 13,6 Millionen Euro. Damit verbesserte sich die ursprüngliche Prognose für die bereinigte Ebita-Marge im Jahr 2020 um 4,1 Prozentpunkte.

Für das aktuelle Geschäftsjahr sind die Erwartungen zurückhaltend optimistisch, unter anderem weil die »Auswirkungen des Nicht-Auszahlens des Rx-Bonus unklar sind«, so Feltens. Seit Inkrafttreten des Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetzes (VOASG) dürfen Apotheken in Deutschland Kassen-Patienten keine Rezept-Boni mehr geben. Das gilt auch für die Arzneimittelversender im EU-Ausland. Nach Auffassung des Managements von Shop Apotheke Europe verstößt dieses Verbot jedoch gegen europäisches Recht. Dennoch erwartet der Konzern mit Sitz im niederländischen Venlo für 2021 ein Umsatzwachstum von rund 20 Prozent oder mehr sowie eine weitere Verbesserung der bereinigten Ebita-Marge in einem Korridor von 2,3 bis 2,8 Prozent.

Stolz ist Feltens, dass Shop Apotheke trotz der Coronavirus-Pandemie 2020 und einem Plus an 1,6 Millionen aktiven Kunden keinen einzigen Auftrag wegen Kapazitätsengpässen zurückweisen musste. Insgesamt hat das Unternehmen nun nach eigenen Angaben 6,3 Millionen aktive Kunden. Damit sind jene gemeint, die in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal eine Bestellung bei dem Online-Händler aufgegeben haben.

Partner für Apotheken-Plattform gesucht

Top-Priorität in diesem Jahr hat Feltens zufolge das E-Rezept. In dem Markt will er künftig die Pole-Position einnehmen. Die Unternehmensstrategie: »Wir wollen vom Online-Händler zur kundenzentrierten E-Pharmacy-Plattform werden«, sagte er. Dafür sucht der Versandhändler noch nach geeigneten Partnern im Gesundheitsmarkt. Der Online-Arzt Zava (vormals Dr Ed) gehört bereits dazu. Nach der Sprechstunde im Netz können Patienten ihre Rezepte von dort direkt an Shop Apotheke weiterleiten. In dem Zusammenhang war immer wieder Kritik in Sachen Zuweisungsverbot laut geworden: Der EU-Versender hatte auf seiner Internetseite zwischenzeitlich mit einer Aussage geworben, nach der die Online-Praxis selbst die E-Rezepte direkt an die Shop Apotheke weiterleitet. Später hatte der Online-Händler den Verweis auf die Übermittlungsmöglichkeit an Zava dann aber wieder von seiner Website genommen. Übrigens: Die britische Online-Arztpraxis kooperiert auch mit dem Apotheken-Dienstleister Noventi – so können die E-Rezepte rein theoretisch auch an bestimmte Vor-Ort-Apotheken weitergeleitet werden.

Zwar geht Feltens nicht davon aus, dass sich mit dem E-Rezept gleich die großen Gewinne im Rx-Markt einfahren lassen. Aber perspektivisch sehe es nicht schlecht aus, meint er. Externe Marktbeobachter hätten für die Arzneimittelhändler im Netz prognostiziert, dass deren Anteil am Rx-Markt sich in den nächsten Jahren bei 8 bis 12 Prozent einpendeln werde. »Das deckt sich mit unseren internen Annahmen«, so Feltens heute. Zum Vergleich: Derzeit entfallen auf das Online-Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten knapp 1,5 Prozent von einem 50 Milliarden Euro Markt. Der Absatz der Shop Apotheke liegt dem Konzern zufolge dabei bei knapp 220 Millionen Euro und ist damit im Jahr 2020 gegenüber 2019 um 17,6 Prozent auf 219,3 Millionen Euro gestiegen.

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